Hallo Tina,
es waere mir eine grosse Ehre fuer Euren Kalender naechsten Jahres ein paar Bilder spenden zu koennen. Um allerdings mit Fotos von Gabriel mithalten zu koennen .... ich sehe das als eine grosse Herausforderung. Gabriel hat nicht nur einen
grossen Lebenslauf als Fotograf, ich wuerde ihn generell als einen der ganz grossen Fotografen Mexicos bezeichnen.... Und vielleicht habe ich auch einmal das Glueck ihn persoenlich kennen zu lernen. Eine Herausforderung ist immer der beste Motor um selber zu wachsen ..... Sehr bald, wenn ich etwas mehr Zeit habe werde ich hier beim "Eckensteher" ein paar Fotos u. einen kleinen Bericht ueber Alte reinstellen. Alte in einer kleinen Stadt in Jal. welche von ihren Familien in ein staedtisches Asyl abgeschoben wurden u. dort die Tage dahin siechen, ihr entgueltiges Ende erwartend. Ich bekam kuerzlich den Ausweis mex. Pressefotografen, mit dem oeffnen sich die Tueren viel leichter als wenn man nur mit einer Kamera u. netten Laecheln anklopft.
moechte Dir drei Fotos reinstellen, die sind zwar schon aelter, aber ich denke ich treffe damit genau Deine Sensibilitaet ...... die drei Personen sind unabhaengig vom anderen, haben nichts gemeinsam in kommun als ihre Individualitaet als alte Menschen.
Der erste Mann ist aus einem kleinen Dorf mit dem Namen Atojac in Jalisco. Er war frueher mal Tagelohener, der Felder bearbeitete, arbeitet immer noch wenn es geht, die Frau eines kleinen
changarro gibt ihm jeden Tag diesen Topf mit heissen frijoles. Als ich ihn fragte ob ich ihn ablichten koennte meinte er "si", verstand aber das ganze nicht. Er sagte mir er waere alt u. haesslich da gibt es sicherlich schoenere Menschen zu fotografieren. Ich sagte ihm er waere ein sehr intereressanter Mensch, sein hartes Leben habe sich in sein Gesicht gepraegt, er waere er sehr schoener Mensch wie ein offenes Buch .... Ob er mich verstand weiss ich nicht, ich wollte nicht mehr darauf eingehen, nur ein kleines falsches Wort, ich wollte vermeiden ihn an seinem Stolz zu verletzen.
Die Frau welche mit ihren Haenden einen sombrero flicht, sass auf einer Strasse in San Fco. del Rincon, Gto. Gleich neben einer grossen Fabrik, welche sombreros industriell zu hunderten am Tag fertigen. Sie macht ihn mit der Hand, einen am Tag. Frueher war sie mal Fabrik-Arbeiterin, heute ist sie ihr eigener Chef, wohnt bei ihren Kindern in der selben Strasse wo sie arbeitet, sie sagte mir sie sitze gerne draussen, wenn die Sonne scheint ......
die dritte Frau ist eine Bettlerin vor der Kathedrale in Zapopan, Jal. Mit ihr konnte ich nicht reden, diese Leute sind sehr scheu ......
von den unzaehligen Fotos, die ich mache komme ich immer wieder auf Menschen zurueck. Diese fotografiere ich am liebsten. Menschen, die im schnellen, anspruchsvollen Leben normal "unter gehen". Und ich komme nie darum herum mit diesen Menschen zu reden. Aber das Gespraech nach dem Foto. Vor dem Foto mit den Menschen zu reden, da haette ich Angst, dass ich Vorurteile bekaeme, und als Fotograf sollte man voellig vorurteilslos auf sein Objekt zugehen. Die Subjektivitaet kommt nach dem Foto, nach dem Gespraech aber auch im Betrachten. Ich wuerde sehr gerne mal die "reichen" Menschen fotografieren. Ein paar Fotografen die ich kenne machen das, auf events wie Hochzeiten, etc. Aber sie fotografieren diese Leute, wenn sie ihre Maske aufgesetzt haben. Ich wuerde sie gerne ohne Maske erwischen, den beruehmten Sekundenbruchteil wenn ihre Seele nackt ist, ihren Charakter erwischen so wie sie wirklich sind, eitel, eingebildet, arrogant, zynisch..... Wenn es mir mal gelingt so ein Foto zu machen, dann werde ich den Gabriel suchen ....



saludos