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EZLN ruft Alarmstufe Rot aus! -Eskalation in Atenco

Menschenrechtslage in Mexiko, Chiapas... - Situación del derecho humano
en México, Chiapas...

Moderatoren: Christa, Nerina, ModerationML

Beitragvon Christa » Do 11 Mai, 2006 20:14

Hallo Wolfmex,
auch wenn ich glaube zu verstehen, wie Du das meinst, was Du geschrieben hast, und ich Deine persönliche Meinung gut finde und durchaus respektiere, kann ich Deine Ausführung unter Beachtung allen Respekts nicht in allen Punkten zustimmen. Denke, dass hier vermutlich einige Missverständnisse aufgetreten sind, die wir jedoch gemeinsam sicherlich stressfrei klären können.

Du hast geschrieben:
Was die Auslaender anbetrifft, na gut, das ist ja weltweit zu sehen, wenn sie in ihren Wohlstandsgesellschaften anfangen sich zu langweilen, greifen sie halt in die Asuntos Externos ein, ohne meisst ein blassen Schimmer zu haben.

Sicherlich hast Du dahingehend recht, dass es immer wieder einmal Personen gibt, die unter diesem Aspekt (Wohlstandgesellschaft und Langeweile) die „Welt verbessern wollen“. Aber dies sind auch die Personen, die bereits nach kurzer Zeit das „Handtuch werfen, spätestens wenn sie merken, dass Menschenrechtsarbeit nichts mit ihren „romantischen“ Vorstellungen einer „besseren Welt“ zu tun hat, sondern aus harter Arbeit (die meistens unspektakulär im Hintergrund verläuft) besteht und dass eine ganze Menge mehr dazu gehört ( wie z.B. Erfahrung, Kenntnisse, intensives Befassen mit den jeweiligen Situationen und und und ) als nur mit dem erhobenen Zeigefinger auf Unrecht hinzuweisen. Was diesen Personenkreis betrifft, stimme ich Dir uneingeschränkt zu, dass sie sich eine Einmischung unter allen Umständen verkneifen sollten.

Allerdings muss ich zum Schutz der von Dir angesprochen Ausländerinnen betonen, dass es sich hierbei nicht um diese Kategorie (Wohlstandsgesellschaft und Langeweile) handelt. Diese Ausländerinnen sind sehr gut mit den Verhältnissen in Mexiko vertraut.

Zitat aus: http://mexico-mexiko.com/viewtopic.php?p=47102#47102
Es handelt sich dabei um die Studentin der Nationalen Schule für Anthropologie und Geschichte (ENAH) Mario Alberto Aguirre Tomic aus Chile und folgende Journalisten: die deutsche Journalistin Samantha Dietmar, Maria Sostres Torrida und Cristina Vals Fernandez ? beide aus Spanien, sowie Valentina Palma Novoa, aus Chile ? (Dokumentar)Filmemacherin, die gerade an einem Projekt von María Novaro mitarbeitete und Studentin des Zentrums für Filmfortbildung (Centro de Capacitación Cinematográfica) ist.
Am Morgen des 4. Mai wurden die Genannten festgenommen, als sie versuchten, für akademische Projekte und für die freien Medien den blutigen Übergriff auf die Gemeinde San Salvador Atenco zu dokumentieren, bei dem 5000 Polizeikräfte (kommunale, bundesstaatliche und föderale) im Einsatz waren.
Fernsehaufnahmen haben den Moment der Festnahme festgehalten, als
Polizeikräfte brutal auf die fünf Betroffenen einschlagen obwohl diese
keinerlei aggressives Verhalten gezeigt haben und deutlich erkennbare
Ausweise trugen, die ihre Arbeit als freie Journalisten bestätigten.


Wie ich bereits hier geschrieben habe, hat Mexiko (Mitglied der UN seit dem 7.November 1945) die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
, die am 10. Dezember 1948 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde, anerkannt und Präsident Fox hat sich zudem in seiner Einführungsrede vom Dezember 2000 auf die volle Anerkennung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit verpflichtet.(Wie dies in der Praxis aussieht, nun gut, dies ist etwas anderes.)
Zu der Anerkennung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehört in dem Fall der o.g. Ausländerinnen auch Artikel 19, der besagt: Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Wolfmex hat geschrieben:
EZLN ist und bleibt eine, gegen die Konstitition ausgerufene (also illegale) Widerstandsgruppe, die ausserhalb der "geltenden Gesetze" agiert.

Gut, das ist ein Thema über das wir wohl stundenlang diskutieren könnten. Interessant wäre in diesem Zusammenhang, dass die EZLN zu Beginn durchaus den legalen Weg beschritten hat und mehr oder weniger in ihre jetzige Position gezwungen wurde. Stichpunkte wären z.B. „zweierlei Gesetze für Nicht-Indigene und Indigene, Nichteinhaltung der Abkommen von San Andrés und so weiter und so weiter. Aber damit würden wir jetzt zu weit von dem Thema abkommen.

Wolfmex hat geschrieben:
Man kann diese Gruppe unterstuetzen oder auch nicht, je nach eigenem Befinden, sollte aber nicht unsere deutschen Mitbuerger gegen Mexico als solches aufbringen.

Ups, jetzt bin ich aber wirklich erstaunt. Denke (hoffe) das ich Dich hier nur falsch verstanden habe. Denke (hoffe) Du meinst damit nicht, dass man die Wahrheit und dokumentierte Tatsachen verschweigen oder gar verheimlichen sollte, nur um Mexiko in einem guten (für Touristen) Licht dastehen zu lassen. Fakt ist, dass Mexiko nun einmal „zwei Gesichter hat“ und es der Wahrheit mehr als dienlich ist, dass gerade hier im Forum Menschenrechte auf „gewisse Missstände“ hingewiesen wird. Dies hat allerdings nichts mit einer Aufwiegelung deutscher Mitbürger gegen Mexiko zu tun oder ein bewusstes schlecht machen des Landes. Nein, eher im Gegenteil.
Da ich als Verantwortliche für diese Benutzergruppe sorgsam darauf achte, dass hier nicht irgendwelche Schlagzeilen aus der Sensationspresse veröffentlicht werden, sondern hinter den Mitteilungen sehr gut informierte und ausgebildete Personen stehen, sind auch „unbequeme“ Nachrichten über Mexiko durchaus legitim. Geheimhaltung, und damit Straflosigkeit für bestimmte Vergehen, bilden den Nährboden für Menschenrechtsverletzungen. Je mehr Menschen informiert sind und sich dafür interessieren, desto größer wird der öffentliche Druck und bereits begangene und zukünftige Vergehen können nicht mehr unter „den Tisch fallen“ und die immer wieder erzielten Erfolge in dieser Richtung zeigen an, dass dies der richtige Weg ist. Ziel ist nicht nur das Anklagen dieser Missstände sondern die Arbeit hin zu einer Verbesserung. Und ist dies nicht das was wir uns alle wünschen?

Wolfmex hat geschrieben.
Viele (wenn nicht die Uberzahl der angesprochenen Probleme) bestehen in Mexiko, so wie in vielen (sehr vielen) anderen Laendern auch und ebenfalls zum Teil auch in unserem Deutschland, Frankreich, England, Spanien, u.s.w. (obwohl in abgeaenderter und vielleicht nicht so extremer Form).

Ich moechte nur, dass wir uns dieses einmal vor Augen halten und nicht nur vor fremder Tuer kehren.

Gebe ich Dir hier ebenfalls recht. Allerdings kehren wir auch vor der so genannten eigenen Tür, nur eben nicht in einem speziell auf MEXIKO ausgerichtetem Forum sondern an entsprechenden anderen Orten. Die Mexiko Community befasst sich fast ausschließlich nur mit dem Land Mexiko. Würde ich hier nun über Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern (wovon es genug gibt) berichten, müsste ich mir den Vorwurf gefallen lassen, was dies mit Mexiko zu tun hat.

Wolfmex hat geschrieben:
Steinchen, Steine oder Brocken ins Glashaus zu werfen (je nach Person) ist einfach, sofern man weit weg vom Problem lebt.


Auch hier gebe ich Dir wieder recht mit der Einschränkung, was das Ziel der Veröffentlichungen betrifft. Einfach nur mit der Masse „brüllen“ ohne sich zuvor mit der Materie intensiv befasst zu haben, richtet (auch wenn es manchmal nur gut gemeint ist) mehr Schaden als Hilfe an. Was die Ferne betrifft kann man noch sagen: Ein guter Arzt muss selbst nicht alle Krankheiten haben um sie bei anderen zu heilen.
Jeder, der sich mit diesen Dingen beschäftigt, sollte dies mit genügend Respekt den Menschen gegenüber und sich verantwortungsvoll verhalten.

Wolfmex hat geschrieben:
(mit der Auflage, die o.g. Einwaende gelten zu lassen).


Wie Du siehst, respektiere ich nicht nur Deine Einwände sondern bin froh, dass Du diese vorgebracht hast. Sicherlich gibt es noch mehr Menschen die sich mit den gleichen Gedanken wie Du beschäftigen und ich danke Dir, dass wir das Thema nicht nur einmal von zwei Seiten beleuchten sondern vielleicht auch die eine oder andere Unklarheit beseitigen konnten.

Liebe Grüße
Christa
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Beitragvon wolfmex » Do 11 Mai, 2006 21:28

Christa hat geschrieben:... auch wenn ich glaube zu verstehen, wie Du das meinst ...
Ich bin ueberzeugt, dass Du meine Kommentare schon richtig verstanden und gedeutet hast. :wink
Haette auch nicht weniger von Dir erwartet. :lol:


... vermutlich einige Missverständnisse aufgetreten sind ...
Selbstverstaendlich bestehen da einige Missverstaendnisse, geht ja garnicht anders bei einer unpersersoenlichen (internet) Komunikation.

.. . Sicherlich hast Du dahingehend recht, dass es immer wieder einmal Personen gibt, die unter diesem Aspekt (Wohlstandgesellschaft und Langeweile) die „Welt verbessern wollen“...
... nur mit dem erhobenen Zeigefinger auf Unrecht hinzuweisen. Was diesen Personenkreis betrifft, stimme ich Dir uneingeschränkt zu ...
Genau diese waren gemeint, wobei ich nicht glaube, dass es nur hin und wieder einige sind, sondern sich vermehrt haben.

... Allerdings muss ich zum Schutz der von Dir angesprochen Ausländerinnen betonen, dass es sich hierbei nicht um diese Kategorie (Wohlstandsgesellschaft und Langeweile) handelt. Diese Ausländerinnen sind sehr gut mit den Verhältnissen in Mexiko vertraut. ...
Das kam dann falsch rueber, weil wir gerade diesen Fall vor Augen haben, denn ich wollte niemanden speziell herausstellen.

... Ups, jetzt bin ich aber wirklich erstaunt. Denke (hoffe) das ich Dich hier nur falsch verstanden habe. Denke (hoffe) Du meinst damit nicht, dass man die Wahrheit und dokumentierte Tatsachen verschweigen oder gar verheimlichen sollte, nur um Mexiko in einem guten (für Touristen) Licht dastehen zu lassen....
Auf keinen Fall :icon_exclaim
Dieser Satz von mir war sicher etwas unueberlegt geschrieben und konnte dann so rueber kommen. :icon-wall


... Fakt ist, dass Mexiko nun einmal „zwei Gesichter hat“...
Was auch ich ja immer wieder betone in meinen Beitraegen.

... ich als Verantwortliche für diese Benutzergruppe sorgsam darauf achte, dass hier nicht irgendwelche Schlagzeilen aus der Sensationspresse veröffentlicht werden ...
Wofuer ich Dir sehr dankbar bin. :lol:

... Allerdings kehren wir auch vor der so genannten eigenen Tür ...
... Einfach nur mit der Masse „brüllen“ ohne sich zuvor mit der Materie intensiv befasst zu haben ...
Auch das war auf die nicht-serioesen gemuenzt.


... sondern bin froh, dass Du diese vorgebracht hast. Sicherlich gibt es noch mehr Menschen die sich mit den gleichen Gedanken wie Du beschäftigen und ich danke Dir, dass wir das Thema nicht nur einmal von zwei Seiten beleuchten sondern vielleicht auch die eine oder andere Unklarheit beseitigen konnten....
Einverstanden, denn mein vorgehen (und nicht nur als "Pressemann") besteht immer aus dem betrachten der Dinge, von allen moeglichen Seiten.
Si se purificaran las puertas de la percepcion, todas las cosas resultarían infinítas para el hombre (y si no, pues no)!
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Eine Woche danach

Beitragvon Christa » Fr 12 Mai, 2006 21:24

Erst geknüppelt, dann vergewaltigt
Eine Woche danach: Polizeiübergriffe in Atenco beschäftigen Mexikos Innenpolitik immer stärker


Von Gerold Schmidt (npl), Mexiko-Stadt
Eine Woche nach den Aufständen der Bevölkerung von San Salvador Atenco nahe Mexiko-Stadt gegen Polizeiübergriffe auf ambulante Blumenhändler spitzt sich die politische Auseinandersetzung um den Vorfall weiter zu. Während die Staatsanwaltschaft inzwischen 189 der über 200 Verhafteten wegen Bildung einer »kriminellen Vereinigung« angeklagt hat, soll es am heutigen Donnerstag weitere landesweite Proteste und Straßenblockaden verschiedener sozialer Bewegungen geben. Ihr Ziel ist die Freilassung der Beschuldigten. Diese seien »politische Gefangene« und Opfer eines Racheaktes staatlicher Repression. Bereits in den zurückliegenden Tagen gab es zahlreiche Proteste, darunter vor mexikanischen Konsulaten und Botschaften im Ausland.

Besondere Brisanz gewinnt die Lage durch die Präsenz von Subcomandante Marcos, dem Sprecher der aufständischen Zapatisten aus dem Bundesstaat Chiapas, in der Hauptstadt. Marcos will seine im Rahmen der von den Zapatisten initiierten »anderen Kampagne« durchgeführte Rundreise durch das ganze Land zur Bündelung antikapitalistischer Kräfte so lange unterbrechen, bis die Inhaftierten frei sind.

Die öffentliche Betrachtungsweise des Konfliktes hat sich inzwischen verändert. Noch vor Wochenfrist bezeichnete Präsident Vicente Fox den Widerstand aus Atenco als »Angriff auf den Rechtsstaat«. Mitglieder des Volksbündnisses zur Verteidigung des Landes ( FPDT) kamen am 3. Mai von der Polizei bedrohten Blumenhändlern im Nachbarort Texcoco zur Hilfe. In der darauf folgenden neunstündigen Straßenschlacht schlugen sie die Polizei mehrfach unter dem Einsatz von Macheten und Molotow-Cocktails zurück. Dabei gab es viele, zum Teil schwer Verletzte auf beiden Seiten. Ein 14jähriger starb an einer Schußwunde. Die Mainstreammedien, allen voran Fernsehen und Radio, begleiteten die Wiederherstellung von »Recht und Ordnung« durch den von der Verhaftungswelle begleiteten Einmarsch von 3000 Polizeikräften am Folgetag nahezu jubelnd. Gewalt schien nur von den rebellischen Bewohnern auszugehen.

Nach und nach bekanntgewordene Bilder und Details zeigen jedoch andere Fakten. So deutet vieles darauf hin, daß der Jugendliche durch eine Polizeikugel starb. Die extrem brutale Behandlung bereits festgenommener Personen durch die Uniformierten, die offenbar vorsätzliche Zerstörung von Wohnungen prominenter FPDT-Mitglieder sowie folterähnliche Praktiken auf dem Transport zur Haftanstalt sind inzwischen breit dokumentiert. Zwei in Atenco anwesende Spanierinnen und eine Chilenin, die zusammen mit einem Landsmann und einer Deutschen in Atenco verhaftet und Stunden später deportiert wurden, berichten über Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen während des Polizeigewahrsams. Das Menschenrechtszentrum Miguel Augustin Pro Juárez berichtete von einer Mehrfachvergewaltigung einer weiteren Frau während des Polizeitransportes. Ein von der Polizei verhaftetes FPDT-Mitglied galt nach Angaben mehrerer mexikanischer Menschenrechtsaktionen vom Dienstag noch als »verschwunden«. Viele Beobachter werten den Polizeieinsatz in Atenco im Rückblick als eine Strafexpedition, mit der ein Exempel statuiert werden sollte. »Es riecht nach Rache«, faßt die Wochenzeitung proceso den Eindruck zusammen.

Wie die Verfahren gegen die Verhafteten und die Aufarbeitung der Ereignisse sich in den kommenden Wochen entwickeln werden, ist angesichts der durch die Anfang Juli anstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie der schon aufgeheizten politischen Atmosphäre in Mexiko schwer abzusehen. Deutlich abgezeichnet hat sich allerdings die Repositionierung der »anderen Kampagne« und der Zapatisten. Die Marcos-Rundreise fand in den vergangenen Monaten weitgehend unbeachtet von den Medien statt. Sie diente vor allem dem Zuhören und der Abstimmung in kleinem Kreis mit Hunderten Organisationen, die in der traditionellen mexikanischen Parteipolitik keine Perspektive sehen.

Jetzt sind die Scheinwerfer aber auch wieder auf die »andere Kampagne« und den Subcomandante gerichtet. Dieser antwortete am Wochenende mit einem durch den Konflikt in Atenco begründeten Schwenk in seiner Medienpolitik. Erstmals seit fünf Jahren gibt er wieder Interviews. Durchaus ein Balanceakt: Nachdem Marcos das erste ausführliche Gespräch der Tageszeitung La Jornada gestattete, kam er am Dienstag morgen zu einem Live-Interview in die Studios des Mediengiganten Televisa. Den Privatsender hatte er in der Vergangenheit nicht ohne Grund immer wieder als einen der Hauptverantwortlichen für die Desinformation der Öffentlichkeit kritisiert.

11.05.2006
Quelle: junge Welt
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San Salvador Atenco

Beitragvon Christa » Fr 12 Mai, 2006 22:25

Für Informationen zu den Vorfällen in San Salvador Atenco siehe auch die Berichte des Menschenrechtszentrums „Centro Prodh“ (Centro de Derechos Humanos “Miguel Agustín Pro Juárez”) aus Mexiko-Stadt.
http://www.centroprodh.org.mx/


Atenco: Estado de derecho a la medida
Informe de la observación realizada del 3 al 10 de mayo de 2006
http://www.centroprodh.org.mx/Publicaci ... medida.pdf
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Beitragvon Christa » So 14 Mai, 2006 12:57

Siehe auch:
Interview mit Subcomandante Marcos, Teil I von La Jornada / Hermann
Bellinghausen - 12.05.2006 07:57
Erster Teil des La Jornada Interviews mit Subcomandante Marcos zu den Ereignissen in Atenco, vom 9. Mai 2006. (deutsche Übersetzung)
Verfasst am: So 14 Mai, 2006

******************************************



Mexiko-Werbeveranstaltung in Bremen gestört

von feliz - 13.05.2006 17:08

Gestern Abend störten ca. 20 AktivistInnen das offizielle Kulturprogramm der
Fifa zur Fußball-WM in Bremen aus Protest gegen die Repression gegen die
Andere Kampagne. Dabei handelte es sich um eine Showveranstaltung zur
Darstellung des Spiels "Pok ta Pok", welches wohl mal von Mayas vor
tausenden von Jahren gespielt wurde. Dieses diente gleichzeitig als
kulturelle Werbeveranstaltung Mexikos zur Fußball WM. Die angeblich einzigen
"von der Mexikanischen Regierung" anerkannten Teams sollten auf dem Bremer
Bahnhofsvorplatz solch ein Spiel vorführen. Davor gab es noch Seichte
Ergüsse u.a. von Bremens Bildungssenator Willi Lemke. Als das Spiel losgehen
sollte stürmten aber die AktivistInnen auf den Platz, und protestierten
gegen Repression in Atenco.

Die offensichtlich zum Teil überforderten und zum Teil mit der Aktion eher
solidarischen OrdnerInnen konnten nicht verhindern, dass ein Text verlesen
wurde in dem auf die Vorkommnisse in Atenco aufmerksam gemacht wurde. Es
darf nirgendwo geduldet werden, wenn ein Staat mit solcher Brutalität gegen
Menschen vorgeht. Gleichzeitig ging es aber auch darum deutlich zu machen:
Wenn der Mexikanische Staat gegen die Andere Kampagne oder die Zapatistas
vorgeht, dann wird es Ärger geben.
Es wurden Flugblätter an die BesucherInnen verteilt. Dabei gab es überaus
viel Zuspruch für die Aktion aus dem Publikum. So dass es, als die Aktion
von den AktivistInnen beendet wurde, sogar Applaus für die AKtion aus dem
Publikum gab.
Nach der Vorführung des Spiels gab es noch viel Zuspruch aus dem Publikum.
Sogar einige der DarstellerInnen begrüßten die Aktion. Allerdings merkten
sie an, dass es ihnen untersagt sei sich politisch zu äußern oder gar mit
politischen Leuten während der Zeit ihrer Tour ( siehe Programm auf der
Seite der Mexikanischen Botschaft
http://www.embamex.de/cultura/Mundial20 ... a-alem.htm) zu treffen.

Im Anschluss wurden noch zwei Personen, die während der Aktion mit einem
Transparent außerhalb des Geländes gestanden hatten von der Polizei zur
Personalienfeststellung mitgenommen.

QUELLE: http://de.indymedia.org/2006/05/146652.shtml (DORT AUCH FOTOS)
Christa
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Unterschriften-Aktion vor der Mensa in Münster

Beitragvon Christa » So 14 Mai, 2006 13:08

Texcoco/Atenco: Spontane Unterschriften-Aktion vor der
Mensa in Münster gegen die brutale Repression mexikanischer
Polizeiorgane


Münster, Donnerstag, 11. Mai 2006

Heute haben wir eine spontane Unterschriftenaktion vor der Mensa in
Münster/Westfalen/Europa/Planet Erde durchgeführt. Wie unsere Compas
in Berlin und Frankfurt am Dienstag und jene in Bremen übermorgen
sowie in den letzten Tagen in fast allen Teilen der Welt, empfanden
wir die Notwendigkeit, etwas in Solidarität mit unseren Compas in
Mexiko zu tun. Es geht uns darum, über die brutale Repression in
Texcoco/Atenco in Mexiko zu informieren und so Öffentlichkeit zu
schaffen. Es geht uns aber auch darum, über ihren mutigen Widerstand
und ihre klare Ablehnung der Politik der schlechten mexikanischen
Regierung zu berichten. Außerdem sammelten wir Unterschriften von
Menschen, die sich genauso wie wir über die Vorgänge in Mexiko
empören, sobald sie die Gelegenheit bekommen, davon erfahren. Bei
unserer Aktion wurden wir von Angehörigen der Dienstleistungsfirma
CAMPUSDIREKT, die das Gelände der Mensa seit der Privatisierung
verwalten, aufgefordert, unseren Infotisch sowie die Transparente
einzupacken. Wir verzogen uns zehn Meter weiter auf den
"Bürgersteig", denn der gehört schließlich allen!!! Im Anschluss an
unsere Aktion faxten wir die bisher gesammelten Unterschriften an die
mexikanische Botschaft in Berlin, um nachdrücklich gegen die
Repression zu protestieren. Ein kurzer Bericht über diese Aktion wird
auch in die mexikanische Öffentlichkeit sowie an unsere Compas in
Mexiko und in anderen Teilen Lateinamerikas direkt übermittelt. Anbei
der Bericht vom Caracol Freiburg, der die Grundlage unseres
Flugblattes war sowie ein Foto unserer Aktion.

Es bleibt dabei - wir fordern: 1. Die Durchführung einer
Untersuchung, welche die Ereignisse von Salvador Atenco aufklärt. 2.
Die Bestrafung derer, welche für den Tod des 14jährigen Jungen
verantwortlich sind. 3. Das Garantieren der Sicherheit der 217
Gefangenen. 4. Das Vorzeigen der "verschwundenen" Personen. 5. Die
unverzügliche Freilassung der Gefangenen und "verschwundenen"
Menschen.

Solidarische Grüße,

Gruppe B.A.S.T.A.

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Angespannte Situation in Mexiko City und Atenco – Gefahr für die
‚Andere Kampagne'

Seit 3.Mai häufen sich die Meldungen über eine Eskalation der Gewalt
in Atenco, einer Stadt in der Nähe von Mexiko City. Dabei gab es
zahlreiche Verletzte. Ein Junge von 14 Jahren wurde von der Polizei
getötet.

Laut Medienberichten ist der Grund für die Auseinandersetzungen die
Unzufriedenheit einiger Blumenverkäufer, welche mit dem ihnen
zugewiesenen Verkaufsplatz nicht zufrieden gewesen seien. Dies stellt
allerdings nur ein Teil der Wahrheit dar. So gehören die
Blumenverkäufer zur ‚Frente de los Pueblos Defensa de la Tierra'
(FPDT). Diese war es, welche sich vor einigen Jahren erfolgreich
gegen den Bau einen Flughafens auf ihren Ländereien zu Wehr gesetzt
hat. Die Provokationen gegen die Blumenverkäufer, sowie die seit
gestern massiv verübte Gewalt seitens der Polizeikräfte wird als
Strafaktion gegen diese Gruppierung gewertet. Unterstützt wird diese
Sichtweise dadurch, dass sich unter den ungefähr 100 festgenommen
Personen aus Atenco ebenfalls der Führer der FPDT, Ignacio del Valle'
befindet. Laut den Vergehen, die ihm zur Last gelegt werden, ist
damit zu rechnen, dass ihn die staatlichen Behörden zur Höchststrafe
verurteilen wollen, was bedeuten würde, dass er nie wieder aus dem
Gefängnis entlassen werden würde.

Wenige Tage vor der Offensive der Polizei wurde Atenco von der
zapatistischen Delegation, der ‚Anderen Kampagne' besucht. Diese
Kampagne versucht im mexikanischen Wahlkampfes eine demokratische und
friedliche Organisierung der Zivilgesellschaft zu ermöglichen.

Dieser massive Polizeieinsatz gilt als eine klares Zeichen und als
eine Drohung für die Unterstützer der ‚Anderen Kampagne'. Dieser, und
im besonderen ihrem Wortführer ‚Subdelegado Zero', wird von
Regierungsseite vorgeworfen, verantwortlich für die eskalierende
Gewalt zu sein und das Land mit ihrer Kampagne, zwei Monate vor den
Präsidentschaftswahlen, destabilisieren zu wollen. Diese Äußerungen
sind ein Indiz dafür, dass sich die Unterstützer der ‚Anderen
Kampagne' und im speziellen Subdelegado Zero in höchster Gefahr
befinden. Es wird mit weiteren Verhaftungen und Übergriffen durch die
Sicherheitskräfte gerechnet,

Bereits einige Tage zuvor war eine Zunahme der Repression gegen die
‚Andere Kampagne' zu verzeichnen. So wurden am 1. Mai auf einer
Demonstration in Mexiko City zur Unterstützung der mexikanischen
Migranten in den Vereinigten Staaten, an der auch Subdelegado Zero
teilnahm, vier Menschen aus dem Bundesstaat Oaxaca und vier Ausländer
verhaftet. Vorgestern, am 3. Mai wurden im Zuge einer Veranstaltung
mit Subdelegado Zero am ‚Plaza de las tres culturas' und bei
Protesten gegen die Offensive von Atenco mehrere Studenten der großen
Universitäten UNAM, der POLI und der ENA verhaftet.

Als Reaktion auf diese Offensive der Regierung gegen Atenco und die
‚Andere Kampagne' liefen am 4. Mai zahlreiche Protestaktionen in
Mexiko. Es wurde eine Autobahn, sowie Teile der Universität
blockiert. Die Blockade der Zufahrtswege nach Atenco selbst wurde im
Morgengrauen des 5. Mai, durch 3.000 Polizisten gewaltsam geräumt.

Am Abend des 5. Mai verließ eine Demonstration mit mehreren Tausend
Teilnehmer Mexiko City um die Stadt Atenco symbolisch durch die
Zivilgesellschaft zurückzugewinnen. Sorge besteht um die derzeit 217
Gefangenen (Bauern, Studenten Gewerkschafter) sowie um die unklare
Anzahl ‚verschwundener' Personen.

Mit unserer Aktion rufen wir zur Unterstützung der fünf zentralen
Forderungen der Komitees der ‚Anderen Kampagne' an die mexikanische
Regierung auf.

1. Die Durchführung einer Untersuchung, welche die Ereignisse von
Salvador Atenco aufklärt.

2. Die Bestrafung derer, welche für den Tod des 14jährigen Jungen
verantwortlich sind.

3. Das Garantieren der Sicherheit der 217 Gefangenen.

4. Das Vorzeigen der verschwundenen Personen.

5. Die unverzügliche Freilassung der Gefangenen.

Kontakt: caracol-freiburg@no-log.org

Internet-Protest-Aktion auf http://www.gruppe-basta.de

Date sent: Thu, 11 May 2006 16:17:34 +0200 (MEST)
From: "Gruppe B.A.S.T.A." <gruppeBASTA@gmx.de>

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Der Standard vom 11.05.2006
Proteste gegen Fox vor der Hofburg

(Wien) Nach seinem Gespräch mit Heinz Fischer weilte der mexikanische
Präsident Vicente Fox noch bei einem vom Bundespräsident gegebenen
Mittagessen. Vor der Hofburg "versammelten" sich unterdessen
Demonstranten, die Fox hernach mit Protesten "begrüßen" wollten. Sehr
beeinduckt dürfte dieser wohl nicht gewesen sein. Das Grüppchen
bestand aus maximal zehn Personen, die Fox aber lautstark als
"Asesino", also "Mörder" beschimpften.

Auf Transparenten forderten die Demonstranten im Zusammenhang mit den
Ausschreitungen in der mexikanischen Kleinstadt San Salvador Atenco
die "Freilassung politischer Gefangener". Ein junger Mann mit
Megaphon gab besonders laut den Ton an. Er skandierte: "Nieder mit
Fox, nieder mit dem Faschismus." Kundgebung vor Botschaft Zuvor
hatten am Rande des Fox-Besuchs und des EU-Lateinamerika-Karibik-
Gipfels (EULAC) Aktivisten bereits vor Mexikos Botschaft in Wien-
Wieden gegen ihre Regierung demonstriert, die für "Ermordungen und
Vergewaltigungen" von Bewohnern der Kleinstadt San Salvador Atenco
verantwortlich sein soll. Die Bewohner des Dorfes würden sich, so die
Demonstranten, einem großem Bauprojekt der Regierung in den Weg
stellen, was die Herrschenden mit "brutaler Polizeigewalt"
beantworten. Fox erklärte dazu bei der gemeinsamen Pressekonferenz
mit Fischer, der gerechtfertigte Einsatz werde in "voller
Respektierung der Gesetze" komplett untersucht. "Das letzte Wort
werden die Richter haben.
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Tausende marschieren gegen die Repression in Atenco

Beitragvon Christa » So 14 Mai, 2006 13:13

Tausende marschieren gegen die Repression in Atenco

von Laura Poy und Emir Olivares La Jornada, 13. Mai 2006

Die Verurteilung der Polizeigewalt in San Salvador Atenco war
einhellig. Tausende gingen auf die Straße, um ihre Ablehnung des
"Horrors" in diesem Dorf zu demonstrieren, und um die
"bedingungslose" Freilassung aller Gefangenen zu fordern, die bei der
Konfrontation zwischen den Dorfbewohnern von Atenco und der Polizei
am 4. Mai 2006 verhaftet worden sind.

Studenten, Lehrer, Aktivisten, Indigenas und Mitglieder der Front der
Dörfer in Verteidigung des Landes (FPDT), führten den Protestmarsch
zusammen mit Subcomandante Marcos an, der ständig von einer
Menschenkette beschützt wurde.

Unter Beteiligung von Mitglieder des Generalstreikrats der Autonomen
Universität von Mexiko (UNAM), Studenten der Autonomen Universitäten
von D.F. (UAM), der Autonomen Universität von Chapingo und Mexiko
Stadt, sowie des Nationalen Polytechnischen Instituts, der Nationalen
Schule für Anthropologie und Geschichte (ENAH) und zivilen und
gewerkschaftlichen Organisationen, forderte die Mobilisierung den
Rückzug der öffentlichen Sicherheitskräfte aus dem Bezirk von Atenco,
und die Bestrafung der Aggressionen, die bei der gewaltsamen Räumung
die Dorfbewohner verübt worden sind.

In seiner Rede bekräftige Delegado Zero: "wir sind heute von der Wut
und Empörung zusammengerufen, die durch das Wissen entstehen, dass
für die von Oben, Frauen die Kriegsbeute sind, die den
"Ordnungstruppen" im voraus versprochen werden. Die Aggression, die
gegen unsere Compañeras als Frauen sind verübt wurde und wird,
bedeutet nicht nur, dass sie geschlagen und gefangen werden, sondern
man versucht sie auch moralisch zu erniedrigen und zu zerstören. Die
Botschaft richtet sich nicht nur gegen sie als Frauen, die für ein
besseres Land kämpfen, für ein anderes Mexiko, sondern gegen alle
Frauen in Mexiko."

Für dieses wirtschaftliche und politische System, so Marcos weiter,
"sind sie alle die Beute, mit der jene entlohnt werden, die mit
Gewalt durchsetzen, was nicht durch Recht aufrechterhalten werden
kann. Sie sind der Verachtung, der sexuellen Aggression, der
Vergewaltigung unterworfen, oder werden durch gesetzliche Gewalt dazu
gezwungen. Dies ist die Alternative, die das System für alle
einfachen und bescheidenen Frauen von Unten bereithält, unabhängig
des politischen Zeichens, das Oben simuliert wird".

Zu Beginn des Marsches, kurz nach 16:00 Uhr, strömten bei schwerem
Regen die ersten Gruppen von Campesinos, Indigenas, Akademiker,
Menschenrechtsverteidiger, ehemalige Studentenführer und Aktivisten
zusammen, und begannen sich nahe des Regierungsministeriums zu
sammeln, das von Metallzäune und Truppen der Präventiven
Bundespolizei (PFP) schwer bewacht wurde.

Als die Vorhut das Kolumbusmonument am Paseo de la Reforma erreichte
und der Regen stärker wurde, stieg Delegado Zero aus dem Wagen, der
ihn auf seiner Rundreise durch das ganze Land fährt, um zu Fuß mit
den anderen Demonstranten zur Präsidentenresidenz von Los Pinos
weiterzumarschieren, die ebenfalls von einem starken
Sicherheitsgürtel bewacht wurde.

Während die ersten Kontingente - gebildet von den Mitgliedern der
FPDT und der Volksfront Francisco Villa - zur Kreuzung Paseo de la
Reforma und Mariano Escobedo vorrückten, versammelte die Nachhut auf
der Anhöhe Angel de la Independencia, die Kontingente der Nationalen
Schule für Anthropologie und Geschichte und der Hochschule für
Wissenschaft und Humanistik (CCH). Mit der Machete in der Hand
bekräftigte ein Einwohner von San Salvador Atenco: "wir werden für
unsere gefangenen Compañeros bis zum letzten kämpfen, so wie damals,
als sie uns ein Flughafen aufzwingen wollten.

"Die Schläge der Polizei schmerzen uns nicht", versicherte er, "was
uns schmerzt ist das, was sie unseren Leuten angetan haben, die
Vergewaltigung unserer Frauen, die Aggression der verräterischen und
korrupten Regierung des Bundesstaates México und von Vicente Fox."

Die Slogans rissen nicht ab. Angehörige und Freunde der Gefangenen
wiederholten immer wider: " Atenco, escucha, no estás solo en la
lucha! (Höre, Atenco, du kämpfst nicht alleine!)", und " No estamos
todos, faltan las presas, no estamos todos, faltan los presos! (Wir
sind nicht alle hier, es fehlen die Gefangene/n!)"

Die Studenten, Aktivisten und Akademiker riefen auch "Setenta años
del PRI fueron de la chingada, pero es la misma mierda con Vicente
Fox Quesada! (Siebzig Jahre PRI waren Scheiße, aber Vicente Fox
Quesada macht es auf die gleiche Weise!)", "Nieto, Abascal, que
masacran al carnal! (Nieto und Abascal, massakrieren sexuell)".

Während des gesamten Protestzuges, kreisten Hubschrauber des
Ministeriums für Öffentliche Sicherheit fon D.F. über die Paseo de la
Reforma, während 2.600 Polizisten mobilisiert wurden, um die
Sicherheit der Gebäude und Monumente, wie die Unabhängigkeitssäule,
der Springbrunnen der Diana, die Mexikanische Börse und die Botschaft
der Vereinigten Staaten zu garantieren.

Kurz vor 19:00 Uhr, an der Ecke Reforma und Chivatito, begann die
Versammlung, in der die Brutalität der Polizei bei der gewaltsamen
Räumung und der Überführung der Verhafteten in das Gefängnis von
Santiaguito verurteilt wurde.

Nachdem die Gefangennahme dreier Studenten der CCH-Sur im Metro
Juárez denunziert wurde - Iván Contreras, Jesús Manuel und Marcos
Santoyo - forderten die Demonstranten erneut das "Ende der Gewalt und
Repression".

Laura Elsa Urbina, die Mutter von Ivàn Torres, ein festgenommener
UNAM Student, dem es freigestellt wurde gegen Kaution freizukommen,
erklärte, ihr Sohn habe dies aus Solidarität mit den anderen
Gefangenen abgelehnt. Er denunzierte jedoch, dass der
Gefängnisdirektor von Santiaguito, am Freitag morgen versucht habe
"die Jungs da drin auseinanderzubringen, indem er ihnen versprach
ihre Kaution zu zahlen, damit sie endlich verschwinden".

América del Valle, die Tochter des Anführers der FPDT, versicherte in
einer Bandaufnahme, die Gewalt gegen die Dorfbewohner von Atenco sei
nur "ein weiter Kapitel der Repression einer mörderischen Regierung,
die bereits in der Vergangenheit versucht hat unser Land zu
entwenden, aber wir haben damals Widerstand geleistet, so wie wir
heute gegen diesen Angriff Widerstand leisten.

Sie erklärte weiter, dieser Kampf sei ausgebrochen, "weil wir eine
Regierung haben, die vergewaltigt, einsperrt und betrügt", und rief
die zivilen und gewerkschaftlichen Organisationen auf "organisiert
gegen die repressiven Autoritäten zu kämpfen, die unter dem Vorwand
ihrer ungerechten Gesetze, den Befehl zum Stürmen und Töten gegeben
haben".

Mitglieder der FPDT, die an der Versammlung teilnahmen, erklärten,
dass Atenco "weiterhin das gleiche rebellische Dorf bleibt, auch wenn
es sich in den Händen des Feindes befindet".

Sie fügten hinzu: "wir erkennen die Staatsregierung von Enrique Peña
Nieto nicht an, der ein Idiot, ein Mörder und ein Vergewaltiger ist.
Wir fordern ein politischer Prozess gegen ihn, sowie die Absetzung
der Polizeichefs im Osten des Bundesstaates México, die an der
Räumung und der Festnahme unserer Compañeros am 4. Mai beteiligt
waren".

Die Agenten und Polizeichefs, so insistierten sie, die "diese
Brutalitäten gegen Frauen, Männer und Alte verübt haben" sollten mit
Gefängnis bestraft werden.

* * * (übs. von Dana)


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Brief der weiblichen Atenco-Gefangenen in Hungerstreik

Beitragvon Christa » Mo 15 Mai, 2006 22:05

Brief der weiblichen Atenco-Gefangenen in Hungerstreik
Date sent: Mon, 15 May 2006 00:09:21 +0200

Brief der weiblichen Gefangenen von Atenco, aus dem Gefängnis von
Santiaguito, Almoyola

Santiaguito, Almoloya, 12. Mai, 2006

An die gesamte Bevölkerung:

Wir Frauen, Arbeiterinnen vom Land und aus der Stadt, Hausfrauen,
Studenten, etc.; politische Gefangene seit dem 3. und 4. Mai dieses
Jahres, sind empört über die formelle Anklageschrift, die am 10. Mai
gegen uns eingereicht worden ist. Wir wurden nicht nur beleidigt,
erniedrigt, verprügelt, gefoltert, sexuell missbraucht und
vergewaltigt, jetzt sind wir auch noch Häftlinge und Verbrecherinnen.

Wir haben Repression erlitten, nicht nur als soziale Kämpferinnen,
sondern auch speziell als Frauen. Denn wenn es auch stimmt, dass die
Männer am härtesten geschlagen wurden, so wurden wir sexuell
attackiert und vergewaltigt. Wir wurden bei unserer Festnahme jeder
Art von Repression unterzogen. Zunächst mit Beleidigungen, wie "Du
Nutte", "verfluchte, beschissene Nutte!", "wir werden dich
vergewaltigen, wie die Nutte, die du bist!" etc. Und sie gaben sich
nicht nur damit zufrieden uns zu schlagen, einige von uns bis zur
Besinnungslosigkeit, sondern sie drohten uns auch zu töten oder
verschwinden zu lassen, oder uns zu foltern um Namen und
Informationen über unsere Angehörigen zu erhalten, die sie auch zu
töten drohten.

Nichts kann die sexuellen Misshandlung und die Vergewaltigung heilen,
die wir erlitten haben. Wir wurden begrapscht, gekniffen, getreten,
mit Fäusten, Knüppeln und Schilde auf unsere Brüste, Gesäßbacken und
Genitalien geschlagen. Während sie uns weiterhin bedrohten, wurden
wir an Brüsten, Brustwarzen, Ohren, Lippen, Zungen usw. gebissen.

Wir wurden mit Fingern und Gegenständen penetriert, andere wurden
gezwungen oralen Sex zu vollziehen, während wir gleichzeitig als
Frauen verspottet wurden.

Zusätzlich zu dieser Misshandlung, die wir erlitten haben, bleiben
wir auch weiterhin das Opfer medizinischer Nachlässigkeit. Einige von
uns hätten seit dem Tag unserer Ankunft, verbunden und geheilt werden
müssen. Einige von uns leiden an Vaginalinfektionen, einige an
infizierte Wunden, andere können aufgrund der erhaltenen Schläge kaum
sitzen.

Trotz alldem bleiben wir weiterhin im Hungerstreik, weil wir in
diesem Kampf nicht ein Schritt zurückweichen werden, weil wir
Gerechtigkeit für alle wollen, und wenn wir dafür von diesem
Gefängnis aus kämpfen müssen, dann werden wir dies auch tun. Wir
bleiben weiterhin aufrecht, wie bisher.

Volk, erhebe Deine Stimme! Bis die Taubheit der Justiz geheilt ist.

Erhebe auch Deine Vernunft und Deinen Verstand! Auch wenn unsere
Hände von hier aus nichts ausrichten können, mögen unsere Worte es
tun.

Wir fordern unsere Freiheit!

Wir fordern Gerechtigkeit für die uns angetanen physischen und
sexuellen Misshandlungen und Vergewaltigungen.

Auf das der Schmerz, den wir durchlitten haben, niemanden
gleichgültig lassen möge.

Freiheit für die politischen Gefangenen!

Aufrichtig, Die weiblichen Gefangenen, von unten und links, die
weiterhin kämpfen.

(http://chiapas.indymedia.org/display.ph ... _id=122223)

* * *
(übs. von Dana)


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Atenco: Bericht der Chilenin Novoa

Beitragvon Christa » Mo 15 Mai, 2006 22:14

Atenco: Bericht der Chilenin Novoa von tierr@ - 13.05.2006 11:14

Die 30 jährige Medienmacherin und Antropologin, Valentina Palma
Novoa, aus Chile gehört zu den Verhafteten von Atenco und wurde zudem
aus Mexiko ausgeflogen. Übersetzung ihres Berichtes über die
Repressionen und Gewalt ...- Unter dem Artikel "Berichte von
Gefangenen in Atenco", wurde um die Übersetzung des folgenden
Gedächtnisprotokolls von Valentina Palma Novoa, gebeten.... ( Leider
gibt es ein paar sprachliche ?, die vielleicht jem@nd ergänzen kann )


Brief von Valentina Palma Novoa, 10.Mai 2006

Mein Name ist Valentina Palma Novoa, ich bin 30 Jahre alt, von denen
ich die letzten elf, in Mexiko gelebt habe. Ich habe den
Hochulabschluss der Escuela Nacional de Antropología e Historia (
Anthropologie und Geschichte ) und studiere aktuell im 4.ten Jahr
Realización cinematográfica ( Filmemachen ? ) am Centro de
Capacitación Cinematográfica ( ?). Tengo FM 3de estudiante ( ? ). Im
Folgenden möchte ich Ihnen über die Geschehnisse berichten, zu deren
Zeugin ich während der gewalttätigen Zwischenfälle wurde, die sich am
Donnerstag, 04. Mai 06, in der Gemeinde San Salvador Atenco
ereigneten und die , auf ungerechte und willkürliche Weise, mit
meiner Ausweisung ( aus Mexiko ) endeten. 1.- Am Tag des 03.Mai,
nachdem ich die Nachcrichten gesehen und mich über den Tod einen 14.
jährigen Jungen informiert hatte, war ich als Anthropologin und
Kulturfilmemacherin über den Tod des Kindes erschüttert und machte
mich deshalb auf dem Weg nach San Salvador Atenco, um die reale
Situation des Ortes aufzuzeichnen.
Ich verbrachte die Nacht dort und
filmte die Wachposten, die von der Bevölkerung aufgestellt worden
waren und interviewte diese. Es war kalt und ich trat an die
Lagerfeuer, welche die Leute des Ortes entfacht hatten, wobei ich
weiter Fotos machte. Das Licht der Morgendämmerung kündigte einen
neuen Tag an: Donnerstag den 04.Mai. Es war gegen 6 Uhr früh, als die
Glocken der Kirche von San Salvador Atenco zu läuten begannen: tum
tum tum tum, immer wieder, während das Mikrophon schreiend kund tat,
dass die Polizei sich im Ort befand. Fahrräder fuhren von einer Seite
zur andern; die Bäckerei an einer der Kirchenflanken, hatte schon
ihre Türen geöffnet und der wunderbare Duft nach frisch gebackenem
Brot erfüllte, zusammen mit dem Hin und Her der Campesinos ( Bauern )
auf ihren Rädern, die Strasse. Der Mann, der Atoles ( Maismehlgetränk
) verkaufte sagte, dass er sich Sorgen mache, dass "die, die gekommen
waren, grosse Schweinehunde waren." Ich ging zu einem der Wachposten,
wo die Campesinos in Richtung eines Haufens von Polizisten blickten,
der von weitem zu sehen war. Als ich die Kamera in Stellung brachte,
merkte ich, dass es viele waren und dass sie verdeckt von ihren
Schildern, kleine, kaum merkliche Schritte machten. Ich empfand
Angst, sie waren viele, schwer bewaffnet und die Campesinos wenige
und unbewaffnet. Im Sucher meiner Kamera sah ich wie einer der
Polizisten nach uns zielte und ein Projektil abschoss, dass, als es
neben mir auftraf, Geruch zu verströmen begann und ich merkte, dass
es Tränengas war.
Immer mehr Tränengas begrub den Duft
frischgebackenen Brots und verwandelte die enge Gasse in ein
Schlachtfeld. Schnell war die Luft nicht mehr zu atmen und ich ging
zum ( Haupt ) -Platz, während die Glocken heftiger schlugen und in
verschiedenen Strassen die Polizei sichtbar wurde, die von weitem
angerückt kam. Der wenige Widerstand seitens der Campesinos, endete
angesichts des Angriffs der Polizeikräfte, die sich abrupt auf die
EinwohnerInnen stürzten. Ich packte meine Kamera ein und lief
zusammen mit den anderen, so schnell ich konnte.Gegenüber der Kirche
gab es ein öffentliches Gebäude, dessen Türen offen waren; dorthinein
stellte ich mich und wartete illusionärerweise darauf, dass die
Turbulenzen vorbeigingen.
Zwei Jugndliche suchten dort ebenfalls
illusionärerweise Schutz vor der Attacke, Wir waren drei und sahen
einander in unsere beklommenen und angsterfüllten Gesichter. Voller
Sorge ging ich vor, um auf die Strasse zu sehen und sah, wie fünf
Polizisten mit toteles (wohl Schlagstöcke ? ) und Fusstritten völlig
mitleidslos, auf einen alten Mann einhieben, der am Boden lag. Ich
empfand noch mehr Angst, ging zurück und sagte den beiden
Jugendlichen, dass wir uns besser verstecken müssten, dass wir hier
zu sehr präsentiert waren. Illusionärerweise stiegen wir auf das
Flachdach und starrten dort, auf dem Rücken liegend, die Helikopter
an, die wie grosse Schmeissfliegen den Himmel durchsurrten, während
die Schüsse, die aus dem Ort ertönten, zu einem Teil der Landschaft
wurden. Ein Mann schrie uns mit gewaltsamer Stimme zu: "Die
Schweinehunde auf dem Dach sollen herunterkommen". Die Jugendlichen
kletterten zuerst hinab; von oben sah ich, wie sie sie schlugen und
voller Panik, wollte ich nicht hinunter, bis ein Polizist
schrie."Komm´ runter, du Hündin, komm´ sofort runter." Ich stieg
langsam hinunter, erschreckt davon zu sehen, wie sie die beiden
Jugendlichen auf den Kopf schlugen.
Zwei Polizisten schoben mich
vorwärts, während zwei andere mich mit ihren toteles auf den
Oberkörper, den Rücken und auf die Beine schlugen schlugen. Meine
Schmerzensschreie wurden lauter, bis ich die Stimme jemandens hörte,
der für die Liste der Festgenommenen, nach meinem Namen fragte; ich
antwortete: "Valentina, Valentina Palma Novoa", während ein Polizist
befahl, dass ich den Mund halten sollte und ein anderer auf meinen
Oberkörper einschlug. Eine Männerstimme befahl, mich mit den Schilden
zu verdecken, damit nicht zu sehen war, wie sie mich schlugen. An
einer Seite der Kirche blieben sie stehen und befahlen dort, dass ich
mich, zusammen mit den anderen Festgenommenen hinkniete und die Hände
im Nacken verschränkte. Sie fuhren damit fort, uns zu schlagen. Mein
celular ( ? ) tönte und eine Stimme befahl, meine Tasche zu
durchsuchen. In diesem Moment raubten sie mir meine Videokamera, mein
celular und einen kleinen Geldbeutel mit meinen Idenditätspapieren
und fünfhundert Pesos. Sie zogen mich an den Haaren hoch uns sagten:
"Steig´in den Laster, Hure." Ich konnte mich kaum bewegen und sie
verlangen, dass ich extrem schnell machen sollte. Sie stiessen mich
auf die anderen verletzten und blutenden Körperund befahlen mir, den
Kopf in eine Blutlache zu senken.
Als ich das nicht tun wollte, zwang
mich ein schwarzer Stiefel über meinem Kopf dazu. Die Motoren des
Lasters starteten und auf der Strecke wurde ich von vielen
Polizeihänden begrapscht. Ich schloss nur die Augen und presste die
Zähne zusammen, in der Hoffnung, dass das Schlimmste nicht passieren
würde. Meine Hosen waren heruntergezogen, als der Laster hielt und
man mir befahl auszusteigen, was ich ungeschickt tat. Eine Polizistin
sagte: "Überlasst diese Hündin mir" und versetzte mir Ohrfeigen mit
beiden Händen. Ich fiel hin und zwei Polizisten packten mich, um mich
zu einem Bus zu bringen, entlang einer Reihe von Polizisten, die nach
uns traten. Im Bus fragte mich eine andere Polizistin nach meinem
Namen, während zwei männliche Polizisten brutal meine Brüste kniffen
und sie mich auf den Körper eines alten Mannes warfen, dessen Gesicht
blutverrkustet war. Als er meinen Körper auf sich spürte, schrie er
auf, vor Schmerz. Ich versuchte mich zu bewegen und ein Tritt in den
Rücken bremste mich; mein Schrei liess den alten Mann ebenfalls
wieder aufschreien, der Gott um Mitleid anflehte.
Eine Frauenstimme
wies mir einen Platz, hinten im Bus zu; ich begab mich dorthin und
konnte von da aus die blutigen Gesichter der übrigen Festgenommenen
sehen und das Blut, das überall auf dem Boden versprengt war. Obwohl
ich selbst nicht blutete, waren meine Hände und meine Kleider mit dem
Blut der anderen Verhafteten bespritzt. Ruhig und dem Jammern der
Körper neben mir lauschend, hörte ich, wie sie weitere Gef@ngene in
den Bus brachten und sie unter Schlägen und Schmerzensschreien, nach
ihren Namen fragten. Ich weiss nicht, wieviel Zeit verging, aber die
Türen des Busses schlossen sich und er fuhr los. Wir waren ungefähr
zwei oder drei Stunden unterwegs. Die Folter begann und jede kleine
Bewegung, zog einen weiteren Schlag nach sich. Ich schloss die Augen
und versuchte zu schlafen, aber das Jammern neben mir, liess es nicht
zu; der alte Mann sagte: "Mein Bein, mein Bein.Gott, Mitleid, Mitleid
bitte:" Ich weinte bitterlich und dachte, der alte Mann würde neben
mir sterben. Ich bewegte meine Hand und versuchte ihn zu berrühren,
um ihm ein wenig Wärme zu geben, doch ein tolete schlug auf meine
Hand und ich bat mit einer Geste den Polizisten um Mitleid und damit
aufzuhören, mich zu schlagen. Weil ich ihm ein bisschen Liebe geben
wollte, streichelte ich das Bein des Alten, der für ein paar
Augenblicke aufhörte zu jammern. Ich fragte ihn nach seinem Namen und
er antwortete mir: "Wenn ich sterbe, weinen Sie nicht. Machen Sie ein
Fest, bitte." Ich weinte still vor mich hin; in der Gesellschaft von
nur anderer, derart geschlagener Körper, dachte ich das Schlimmste,
dass sie uns wer weiss wohin brächten und uns alle dort umbringen und
verschwinden lassen würden. Einen Moment lang schlief ich, aber der
Geruch nach Blut und Tod weckte mich auf. Als ich die Augen öffnete,
sah ich eine Gefängnismauer. Der Bus hielt an und eine Stimme befahl,
dass wir durch die hintere Tür aussteigen sollten. Sie befahlen mir,
stehenzubleiben, die Tür ging auf und eine Reihe von Polizisten
blickte in mein weinendes und unbedecktes Gesicht; ich bekam wieder
Angst. Draussen befahl eine Stimme, die Türe zu schliessen und dass
die Festgenommenen mit bedeckten Gesichtern herauskommen sollten.

Ein
Polizist bedeckte mir den Kopf mit meinem Umhangund die Tür öffnete
sich wieder. Vor dem Bus packte ein Polizist mich an der Hose und
drückte mit der anderen Hand meinen Kopf nach unten. Die Reihe der
Polizisten begann mit Tritten auf meinem Körper und die der anderen
Verh@fteten, die Teil unserer Reihe waren. Die Tür der Strafanstalt
ging auf und unter Schlägen und Fusstritten führten sie uns durch
enge Gänge. Bevor wir an einem Untersuchungstisch ankamen, beging ich
den Fehler, den Kopf zu heben und in die Augen eines Polizisten zu
sehen, der meinen Blick mit einem harten Schlag mit geballter Faust
in meinen Magen beantwortete, so dass mit für Momente die Luft
wegblieb. An dem Tisch fragten sie mich nach Namen, Alter und
Nationalität; danach brachten sie mich in einen kleinen Raum, indem
eine dicke Frau mir befahl, sämtliche Kleider auszuziehen. Angesichts
meiner Ungeschicklichkeit, verursacht durch die Schläge, befahl sie
mir mehr Tempo. "Señora, ich wurde sehr geschlagen, warten sie
bitte", sagte ich zu ihr. Sie durchsuchte mich, ich zog mich wieder
an und sie bedeckte wieder mein Gesicht mit dem Umhang. Ich verliess
den Raum und und sie befahlen uns eine Frauenreihe zu bilden, um
formiert und mit dem Kopf nach unten, inden Gefängnishof zu treten,
wonach ich mich darüber informierte, dass ledecían "almoloyita" ( ? )
in der Stadt Toluca.
Es war 14 Uhr, Donnerstag, 04.Mai, als wir uns
bereits innerhalb der Strafanstalt befanden. Sie brachten uns in
einen Speisesaal und trennten Männer und Frauen. In einer Ecke und
unter dem Weinen der Frauen erzählten wir einander die Quälereien,
deren Ziel wir gewesen waren. Eine junge Frau zeigte mir ihre
zerrissene Unterwäsche und ihren Kopf, mit einer offenen Wunde voller
Blut. Eine andere berichtete, dass sie auf zwei Wegen weggebracht
worden war, während sie sie geschlagen, gequält und zu ihr gesagt
hatten: "Wir werden dich umbringen, Hure." Eine weitere Jugendliche
erzählte mir, dass sie wahrscheinlich schwanger war ; alles unter
Weinen und solidarischem Händedrücken.
Der Zustand von Schock unter
den Frauen war deutlich. Gegenüber redeten die Männer untereinander
und wir sahen ihre blutigen Gesichter, die von den brutalen Schlägen
deformiert waren. So standen wir, als eine Frau zu uns herkam, einige
Namen nannte und befahl, dass diese Personen aus der Gruppe
heraustreten sollten. Wir waren vier: Cristina, María, Samantha,
Valentina. Eine fünfte kam zu der Gruppe hinzu: Mario. Wir waren fünf
verhaftete AusländerInnen. Dann kam ein Mann, ich glaube, es war der
Gefängnisdirektor und sagte zu uns, dass wir, da wo wir uns befanden,
sicher seien; dass uns hier niemand schlagen würde; dass das, was
ausserhalb der Strafanstalt geschehen war, nichts mit ihm zu tun habe
und dass wir innerhalb des Gefängnisses auch nicht geschlagen worden
waren. Wir baten ihn, einen Aufruf, eine Petition zu machen, was er
uns verweigerte, indessen die sichtlich schwerverletzteren
Verh@fteten weg, in Richtung der internen, medizinischen Station
gebracht wurden. Es handelte sich nicht um eine oder zwei; von
einhundert und ein paar festgenommenen Personen, waren 40
Schwerverletzte.
Einer der zuerst weggebracht wurde, war der
sterbende, alte Mann, der neben mir im Bus gelegen hatte und den ich
nie mehr wieder sah. Nun kamen wir AusländerInnen an die Reihe zur
medizinischen Untersuchung. Ich hatte Blutergüsse am Oberkörper, dem
Rücken, den Schultern, den Fingern, an Oberschenkeln und Beinen. Es
wurde empfohlen, meine Rippen zu röntgen, weil ich Atemprobleme
hatte; aber es wurde nicht gemacht. Die aufnehmende Krankenschwester
und der untersuchende Arzt, handelten in völliger Gleichgültigkeit
gegenüber meiner Person und den Verletzungen. Ich verliess das
Arztzimmer, um das Ende der Untersuchungen von Cristina, María,
Samantha und Mario zu warten. Die Pseudountersuchung war beendet und
sie brachten uns in einen Saal, um uns unsere Erklärungen abzunehmen.
Überraschenderweise tauchte ein Lizensat auf, der uns empfahl, dass
wir keine erklärung abgeben sollten, im Widerspruch zu den
Schreibkräften an den Maschinen "Es ist gut, wenn du dich nicht
erklären willst", das ist dein Recht; aber es wäre gut, wenn du einen
schriftlichen Beweis über dashinterlassen würdest, was dir geschehen
ist",sagte eine Lizensatin zu mir.
Während wir unsere Erklärungen
abgaben, trafen viele Männer mit Krawatten ein, die sich humorvoll
und freundlich gaben und uns fragten, wer wir sind und weshalb wir
nach Atenco gekommen waren, obwohl wir doch bestimmt wüssten, wie
gefährlich die Leute dort seien. Es regnete und sie verlegten uns zu
den anderen Verh@fteten in den Speisesaal und befahlen uns, uns so
hinzusetzen, dass wir keinen Kontakt mit den mexikanischen
Festgenommen aufnehmen konnten. Wenn wir das Bad benutzen wollten,
mussten wir um Erlaubnis fragen. Menschenrechtsbeamte erschienen und
nahmen Erklärungen und Fotos von unseren Verwundungen auf; die
Erklärungen wurden ohne Interesse aufgezeichnet, mechanisch. Wir
wurden gezwungen, unsere Fingerabdrücke machen zu lassen und sie
fotographierten uns von vorne und beide Profile.
Sie sagten , es
handele sich nicht um eine Registrierung/einen Eintrag, sondern es
wäre eine notwendige Untersuchung, denn höchstwahrscheinlich würden
wir am frühen Morgen freigelassen und deshalb müssten sie die Daten
aufnehmen. Ein Topf kalter Kaffee und eine Kiste mit Milchbrötchen
waren das Abendessen. Es war Mitternacht und ich legte mich auf einer
harten Bank hin, um zu versuchen, ein wenig zu schlafen. Es war
unmöglich, denn es war kalt und ich hatte keine Decken. Auf der
Männerseite bemerkte ein Rasta meine Schlaflosigkeit und wir fingen
an, uns per Zeichen miteinander zu unterhalten. Dahinein kam eine
Wache und nannte die Namen der fünf AusländerInnen. Wir standen auf,
sagten den anderen Festgeh@ltenen ein kleines Adiós und verliessen
den Ort.

Fortsetzung tierr@ 13.05.2006 11:41

Sie brachten uns zu einer Registrierstelle, gaben uns unsere paar
Sachen und brachten uns weg, zu einem Laster, der uns, wie sie
sagten, in ein Migrationsbüro in Toluca bringen würde. Von ausserhalb
der Haftanstalt hörte ich bekannte Stimmen, die meinen Namen riefen.
Ich trat an die Gitter und konnte viele meiner FreundInnen ausmachen,
die fragten, wie es mir gehe. Ich sagte mehr oder weniger gut und
dass sie uns zur Migration in Toluca brächten. Sie sagten, dass sie
folgen und mich nicht allein lassen würden.
Meine Tante Mónica
überreichte mir einen Umschlag mit meinen Einwanderungspapieren und
María Novaro, meine Lehrerin und Mamá in México, gab mir einen Umhang
gegen die Kälte. So stieg ich in den Bus, der seine Türen schloss und
verdeckt, fuhren wir los. Wir hielten in einem Büro in Toluca, um
eine Lizensatin aufzunehmen und von dort aus brachten sie uns zur
Migrationsstation den Bergen von DF. Es war drei Uhr früh, als wir
dort ankamen. Ein schlechtgelaunter Arzt nahm ein weiteres Mal die
Verletzungen auf.
Dann schliefen wir ein wenig, denn unsere Ankunft
entsprach nicht den Öffnungszeiten des Büros, weshalb nur wenige
Beamte anwesend waren. Um sieben Uhr brachte ein Gehilfe uns Getreide
mit Milch. Dann nahmen sie mir eine Erklärung ab; eine Erklärung bei
der sie ausserdem meine persönlichen Daten wissen wollten und Fragen
stellten, wie: "Kennst du die EZLN? Warst du in der
Universitätsstadt? Hast du am Wasserforum teilgenommen? Kennst du
anderen festgenommenen AusländerInnen?,etc. Ich unterschrieb die
Erklärung, die, zusammen mit einem Brief meines Lerninstitutes, einem
Brief meiner Lehrerin María Novaro, meinem Pass, meinem chilenischen
Idenditätsausweis und meiner Beglaubigung als internationale
Studentin, meinen Einwanderungsdokumenten beigefügt wurde. Dahinein
rhielt ich einen Anruf des chilenischen Konsuls in Mexiko, der mich
nach meinem Namen fragte, meiner Ausweisnummer und ob ich
irgendwelche Verwandte in Mexiko hätte.
Er sagte, was er tun könne,
sei zu überwachen, dass der entsprechende Prozess unter legalen
Bedingungen vollzogen würde. Dann setzte ich die Erklärung fort und
die Fragen nach der EZLN, Subcomandante Marcos und Atenco wurden
wiederholt. Inzwischen hatten sich draussen vor der Migrationsstation
FreundInnen und Angehörige versammelt, mit denen mir nicht zu
sprechen erlaubt wurde. Ich versuchte es per Zeichen und Schildern,
aber auch das wurde uns untersagt.
Sie brachte mich in einen Raum,
indem sich drei Männer befanden, die mir sagten, sie wären hier, um
mir zu helfen. Dann fotographierten sie mich erneut von vorn, beide
Profile und nahmen jeden Moment der Unterhaltung auf Band auf. Sie
fragten mich nach meinem Namen; ob ich Decknamen hätte; ob ich die
EZLN kenne; ob ich in den Lacandone-Wädern gewesen war; welche Filme
ich vorhätte zu machen und nach Namen, die ihnen Aufschluss über mein
Vorleben gäben. Sie sagten mir, dass meine Freundin América del Valle
sich Sorgen um machen machte, weil ich während des Versuchs in Atenco
zu entkommen, verloren gegangen war.
América del Valle hatte mir
kürzlich in Chile mitgeteilt, dass sie eine der FührerInnen in Atenco
ist, die von der Polizei verfolgt werden. Nach Beendigung des Verhörs
wurden alle Angaben mit einer raffinierten Maschine, in einen
Computer eingegeben. Sie brachten mich in einen anderen Saal, in dem
drei Besucherinnen der Nationalen Komission für Menschenrechte
warteten und nachdem die zwei Spanierinnen und ich, ihnen berichtet
hatten, was wir erlebt hatten, empfahlen sie uns, unverzüglich einen
Anwalt zu verlangen, um rechtlichen Schutz gegen eine mögliche
Ausweisung einzuklagen.
Die Atmosphäre ist drückend und deshalb
verlange ich von einer der Anwältinnen Stift und Papier, um ?Einen
Anwalt " darauf zu schreiben und das durchs Fenster, meinen
FreundInnen draussen zu zeigen. In diesem Augenblick kam ein Lizensat
für Migration herein der, als er mich schreiben sah, fragte:"Brauchst
du einen Anwalt? Ich bin Anwalt, was ist dein Problem?" Ich sagte
ihm, dass ich Ausweisungsschutz beantragen will, woraufhin er mir
antwortete, dass dieser unangebracht wäre, weil dafür, ein ein Monate
langer Aufenthalt in der Migratinsstation nötig ist und dass es viel
wahrscheinlicher wäre, dass wir bald freigelassen würden. Die
Menschenrechtlerinnen unterbrachen ihn und verlangten, dass er mich
mit den Leuten draussen reden lassen sollte.
Ein Besuch wurde
zugestanden und ich durfte fünf Minuten mit Berenice sprechen, der
ich sagte, dass ich Ausweisungsschutz bräuchte und sie antwortete,
dass es diesen schon gäbe. Ich verabschiedete mich abrupt von ihr und
sie brachten mich zum zweiten Mal zu einer arztlichen Untersuchung in
der Migrationsstation. Diese wurde von einem plötzlich erscheinenden
Lizensaten unterbrochen, der den Vorgang beschleunigte und sagte,
dass ich anderswohon verlegt werden würde. Auf meine Frage wohin, gab
er mir keine Antwort. Beim Verlassen der medizinischen Station, traf
ich eine der Besucherinnen für Menschenrechte, die ich darum bat,
meinen FreundInnen draussen mitzuteilen, dass sie mich verlegten. Ich
fragte den Lizensaten wohin ich gebracht würde und er sagte, zu den
Zentralbüros für Migration.
Sie liessen mich nicht mit ihm
weiterreden und brachten mich in einen gesondertes Wagen, indem auch
Mario, mein Landsmann, war. Mit mir stiegen drei Polizisten ein, die
Türen schlossen sich und ein Polizist befahl, die Fenster zu
schliessen. Das Gittertor der Migrationsstation ging auf und der
Wagen schoss los, als ob er etwas entkommen wollte. Wir fuhren
durchschnittlich mit 100 Stundenkilometern, bei beachtlichem Verkehr.
Ich fragte wohin sie uns brächten, erhielt jedoch keine Antwort.
Mitten auf der Strecke bemerkte ich, dass wir auf dem Weg zum
Flughafen waren und dass vor uns zwei weitere Wagen fuhren, einer mit
Samantha, der Deutschen und ein anderer mit María und Cristina, der
beiden Spanierinnen. Vor der Unausweichlichkeit der Ausweisung, blieb
mir nichts weiter, als die Augen zu schliessen, die Zähne
zusammenzubeissen und zu denken: Eine Vergewaltigung mehr. Um 18 Uhr
trafen wir am Flughafen ein. Wir stiegen aus den Autos und betraten,
unter Bewachung, einen komplett weissen Raum, indem sie uns eine
Stunde oder länger, festhielten.
Dann brachten sie uns in die
Wartesäle im Flughafeninnern, wo sie uns weiter bewachten. Zuerst kam
der Flug von Samantha. Wir warteten weiter und ich konnte nicht
anders als zu weinen; es ging mir schlecht; ich beherrschte mich und
versuchte im Gang auf und ab zu gehen; aber eine Wache sagte mir,
dass ich mich hinzusetzten hätte. "Ich fühle mich schlecht",
antwortete ich ihm,"ich werde nicht versuchen, zu fliehen,
lass´mich."Ich weinte weiter und ein Polizist kam zu mir her und
sagte: "Weine nicht, ich bin nicht einverstanden mit dem was hier
passiert. Wenn es dich tröstet, lass dir sagen, dass du nicht
deportiert wirst.
Das du nur ausser Landes gebracht bist, es aber
jederzeit wieder betreten kannst." Illusorischerweise beruhigten mich
seine Worte. Sie brachten uns in eine Bar, wo wir ein paar Zigaretten
rauchten, da wir alle sehr aufgeregt waren. Der Flug der Lan Chile
wird um 23 Uhr angezeigt und Mario und ich werden aufgerufen. Mit
einer festen Umarmung verabschieden wir uns von María und Cristina.
Dann reihen wir uns ein und betreten das Flugzeug. Drinnen kommt ein
Passagier zu mir her und übergibt mir ein paar Briefe, die mir meine
FreundInnen schicken, die draussen alles mögliche versucht haben, um
die Ausweisung aufzuhalten.
Mir kommen die Tränen, weil ich mich
nicht allein weiss. Der Wachbeamte neben mir fragt mich, was mir
passiert wäre und ich erzähle ihm meinen Fall. Ich sage ihm, dass ich
seit 11 Jahren in Mexiko lebe, dass mein Leben in diesem Land liegt,
dass ich geschlagen und von der Polizei gequält worden bin. Er sagt
mir, dass er erst 30 Minuten vor Einstieg in die Maschine darüber in
Kenntnis gesetzt worden war, dass er nach Chile fliegen würde; dass
ihm nicht gesagt worden war, worum es ging; aber dass er sicher
gewesen war, dass es sich um einen besonderen Vorgang handelte, denn
bevor eine Person abgeschoben wurde, befand sie sich normalerweise
mindestens einen Monat lang in der Migrationsstelle und dass es eine
Anordnung von oben ist.
Da ich meine Ausweisung schon auf mich
genommen habe, unterhalte ich mich mit ihm und sage ihm, welche Orte
er während seines kurzen Aufenthaltes in Santiago, aufsuchen sollte.
Die Müdigkeit und Ohnmacht sind zuviel, ich schlafe ein. Mit den
Kordillieren der Anden im Fenster des Flugzeugs wache ich auf. Wir
steigen aus der Maschine. Die Internationale Polizei empfängt uns und
nimmt uns eine Erklärung bezüglich unserer Abschiebung und/oder
Ausweisung ab. Draussen wartet meine Familie; Weinen, Küsse,
Umarmungen. Wir fahren in ein Krankenhaus, um die Verletzungen
bescheinigen zu lassen und organisieren schnellstens eine
Pressekonferenz in Radio und Fernsehen, auf der wir die Illegalität
unserer Ausweisung und die Polizeibrutalität, deren Ziel wir gewesen
waren, anklagen.

2.- Nachdem ich dies berichtet habe, möchte ich die Unangemessenheit
und meine absolute Ablehnung und Wut kundtun, gegenüber:
a) der
Anwendung physischer, psychologischer und sexueller Gewalt als Waffe
der Folter und Nötigung gegenüber den Frauen
b) der
Polizeibrutalität, deren Ziel, unabhängig von unseren Nationalitäten,
alle Verh@fteten gewesen sind
c) der Illegalität meiner Ausweisung in
zweifachem Sinn: Weil ich ordnungsgemässe Einwanderungspapiere
besessen habe und weil die dargestellte Ablehnung des
Abschiebeschutzes, bereits meine Abwesenheit von dem Land begründete,
als ich mich noch in Mexiko aufhielt

3.- Wegen der zuvor dargelegten Prioritäten, studieren wir mit
unseren Anwälten, wie mit unseren Aktionen Folgendes erreicht werden
kann:
a) die Wiederherstellung des Rechts auf Fortsetzung unseres
Studiums in Mexiko, durch alle erdenklichen Schritte seitens der
chilenischen und mexikanischen Regierungen
b) Schritte auf
diplomatischer Ebene der mexikanischen Botschaft in Chile
c) ein
Strafantrag gegen die Polizei wegen des Vergehens der
Körperverletzung d) die Einleitung einer Klage gegen den Staat
Mexiko, wegen illegaler Abschiebung

¡ Keine Vergewaltigungen, Frauen und Männer dürfen nicht als Objekte
benutzt werden, keine Brutaliät und Folter, keine Rechtfertigung der
Gewalt !

Atte. Valentina Palma Novoa

Original unter:
http://chiapas.mediosindependientes.org ... _id=122035


Video: "Los Presos de la ?Democracia? - " Die Gefangenen der
Demokratie" ( 22.März 2006 ) Produziert von "Der andere Journalismus"
und der "Anderen Kampagne"

Watch this video in English Video: Greg Berger, Jill Freidberg, Juan
Felipe Guzmán Cuevas, Sarahy Flores Sosa Audio adicional: Vladimir
Flores Editora: Jill Freidberg Música: Caelum (Spaghetti) del EP This
Guitar; Martin Chacon (Tanguyu, Chilena Con Sandunga)
http://salonchingon.com/cinema/otra_ixcotel.php?city=mx

Mehr über die politischen Gef@ngenen in Mexiko und der Anderen
Kampagne auf der Sonderseite von Narco News:
http://www.narconews.com/otroperiodismo/de.html auch auf audio zapata


13.05.2006 14:29 danke tierr@ für die prompte Übersetzung

Ein Audio-Bericht (spanisch) von Valentina ist auch hier als mp3
erhältlich:
http://chiapas.indymedia.org/local/webc ... _testimoni
o.mp3

la lucha sigue

kleine Ergänzung kh. 13.05.2006 21:31 Mario, der zusammen mit
Valentina ausgewiesene Chilene, erwähnt in seinem Bericht, daß sie in
das Gefängnis Santiaguito la Loma im Gemeindebezirk (Municipio)
Almoloya de Juárez im Bundesstaat Mexiko gebracht worden waren. Von
daher also wohl die Bezeichnung "Almoyolita". -

Mit 'celular' ist ein Mobiltelefon gemeint und FM 3 (forma
migratoria)bedeutet wohl den Migrationsstatus als Student(in).

Ergänzung tierr@ 15.05.2006 11:36 Abolut nichts zu danken,

aber weiss denn niemand, was toteles sind??? In einem anderen Bericht
wird gesagt, dass diese Waffe auch töten kann, dass sie ein "Export"
aus Okinawa ist und eigentlich ein Tonfa, ein, jedenfalls mir, ebenso
unbekanntes Wort....
_______________________________________________


URL: http://de.indymedia.org/2006/05/146610.shtml
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Augenzeugenbericht der Deutschen Samantha Dietmar

Beitragvon Christa » Mo 15 Mai, 2006 22:23

Augenzeugenbericht der Deutschen Samantha Dietmar

Mein Name ist Samantha Dietmar, ich bin 27 Jahre alt und studiere in
Deutschland Fotografie und Grafikdesign. Ich wollte in Mexiko Land
und Leute dokumentieren.

In Erwartung eines Friedensmarsches, um nationalweit gegen Gewalt von
Seiten der Polizei zu protestieren (ausgerufen fuer die Morgenstunden
des 4. Mai 2006), machte ich mich zusammen mit einer Gruppe von
Studenten und Compañeros von Mexiko City auf nach San Salvador
Atenco, mit Zwischenstopp an der Universidad Autónoma de Chapingo,
und so erreichten wir am Vorabend gegen 21:00h in Bussen und Autos
den Eingang der Stadt. Den letzten Rest des Weges legten wir zu Fuss
zurueck und ich konnte mir im Feuerschein der brennenden Autoreifen
ein Bild des Schreckens des vergangenen Nachmittages ausmalen.
Geschossreste, Scherben von Molotowcoctails, Reste von Warnraketen,
zertruemmerte Fensterscheiben, ausgebrannte Autos. Ich machte ein
paar Fotos und schloss mich, um alles sprachlich besser zu verstehen,
den AlternativMedien Leuten an. Ich hatte in den vergangenen Monaten
der Reise Spanisch gelernt, aber vieles konnte ich im Detail
natuerlich immer noch nicht verstehen.

Es gab eine Versammlung am Stadtplatz und kurz darauf liefen die
Medienleute ein paar Strassen weiter zur Klinik der Stadt, um den
Abtransport der gutversorgten, verletzten Polizisten nach Mexiko City
zu dokumentieren. Hubschrauber kreisten ueber uns. Eine boese
Vorahnung blieb zurueck. Ich uebernachtete mit zahlreichen
Medienleuten in einem kleinen Hotel am Suedeingang der Stadt.

Um ca. 6:00h schreckte ich hoch. Die Kirchenglocken laeuteten, Bomben
zerbarsten, Steine flogen, tatsaechlich hatte ein neuer Kampf
begonnen - wie sich schnell herausstellen sollte - mit unglaublichem
Gewalteinsatz von Seiten der ca. 3.000 Polizisten gegen etwa 300
Demonstranten. Traenengas kroch durch Fenster und Tueren des Hotels.
Aengstlich wickelte ich mir ein nasses Handtuch um Mund und Nase und
verharrte zwei Stunden verkrochen im Hotelbadezimmer. Der
Hotelbesitzer hatte den Fernseher im Buero angestellt und die wenigen
im Hotel Zurueckgebliebenen konnten mit Entsetzen mitverfolgen, wie
die Polizei systematisch die Stadt zurueckeroberte. Mein einziger
Gedanke war schnellstmoeglich zurueck nach Mexiko City zu kommen,
denn hier war Mord und Todschlag ausgebrochen. Als ich im Fernsehen
bestaetigt bekam, dass sich die Polizeitruppen weiter ins Zentrum
bewegten, verließ ich nach Sonnenaufgang kurzerhand mit meinem
Rucksack und meiner Kamera das Hotel. Nach weniger als einer Minute
kam durch den Traenengasnebel eine Gruppe Polizisten auf mich und
drei andere friedliche Personen auf der Strasse zugerannt. Ich wurde
gegen eine Hauswand gedrueckt und nach meinem Ausweis gefragt. Ich
wuehlte zitternd in meinen Hosentaschen, gab ihnen meinen
Internationalen Presseausweis und fragte, was ich denn getan haette.
"Die ist nicht von hier", wurde gebruellt, mein Ausweis fiel zu Boden
und ich wurde in Richtung eines Transporters abgefuehrt. Hier begann
die Hoelle.

An Armen und Haaren wurde ich auf den Transporter gezerrt, wo schon
ein Haufen an Menschen uebereinander gestapelt lag. Alles war blutig,
die Menschen stoehnten. Es blieb mir nichts anderes uebrig, mich
bauchvoran, schuetzend die Arme ueber den Kopf verschraenkend, oben
drauf zu werfen. Die Polizisten beschimpften und bespuckten uns,
stiegen auf den seitlichen Rand der Ladeflaeche und als sich nach
kurzer Zeit der Transporter in Bewegung setzte, traten sie auf mich
und die anderen mit ihren Stiefeln ein, bruellten und beleidigten
uns, schlugen mit ihren Schlagstoecken auf unsere Ruecken, Koepfe und
Fuesse ein. Ich spuerte Haende an Gesaess und Ruecken, die versuchten
mir mein Oberteil auszuziehen. Als ich versuchte es wieder
herunterzuziehen, wurde ich als "Gringa" beschimpft und jemand schlug
mir ins Gesicht. Meine Nase blutete. Ich konnte an nichts mehr
denken. Bewegungslos ließ ich alles ueber mich ergehen. Der Wagen
hielt. An den Haaren wurden wir vom Transporter in einen groesseren
Bus gezerrt. Dort lag schon eine Gruppe Menschen blutueberstroemt
zusammengekauert im hinteren Teil des Busses am Boden. Wir mussten
uns auf die Leute werfen. Schlaege, Fusstritte, Beschimpfungen.
Unsere Koepfe wurden nach unten gepresst, damit wir ihre Gesichter
nicht sehen konnten. Die Polizisten begannen die Namen aufzunehmen.
Meine Tasche mit meinem Reisepass, Geld, Filmen und meiner Kamera und
Objektiven wurden mir entrissen, sie hielten meinen Kopf an den
Haaren hoch, ich schrie meinen Namen und dass ich aus Deutschland
sei. Das Gewimmer, der Geruch, die Geraeuschkulisse waren
unertraeglich. Ich wusste nicht was als naechstes passieren sollte,
und das machte mir schreckliche Angst. Mein blaues Umhaengetuch wurde
mir ueber den Kopf geworfen und ich sollte mich auf eine Busbank
setzten. Den Kopf niedergedrueckt mit einem Schlagknueppel, musste
ich der Namensaufnahme lauschen. Wieder und wieder kamen nun
Polizisten in den Bus und fragten nach der Deutschen, hoben mein Tuch
an, wollten mein Gesicht sehen. Ich durfte mich nicht bewegen. Haende
betatschten meine Brueste. Ich wurde gefragt, was ich denn hier
mache. Es kehrte ein wenig Stille ein, bis eine dritte Fuhre an
Verhafteten eintraf und wieder ging die gewaltsame Namensaufnahme von
vorne los. Keiner der Gefangenen traute sich zu regen. Es waren viele
Schwerverletzte darunter. Sie mussten zusammengekauert auf Boden und
Baenken, teilweise uebereinander liegend, ausharren. Die Polizisten
beschimpften uns immer wieder und schlugen auf die Personen ein. Mit
wurde ein Becher Wasser angeboten und ich sollte mich zur Gruppe der
Polizisten setzten. Sie sagten: "wenn du kooperierst, passiert dir
nichts".

Der Bus fuhr los. Ich sollte meinen Schal abnehmen. Nun musste ich 2
½ Stunden mit den Polizisten Smalltalk fuehren, sie machten
Gruppenphotos mit ihren Handys von mir, ein Porno auf einem Handy
machte die Runde, sie fragten mich ueber die EZLN, ETA und Hitler,
fragte mich, warum ich hier sei und warum ich eine Kamera haette. Ich
konnte mich ein wenig hinter den unzureichenden Sprachkenntnissen
verstecken. Sie sagten welch schoene Augen ich doch haette, ob ich
nicht mit einem der Polizisten zusammenkommen wolle, und im selben
Moment schlugen sie ohne Grund nach hinten auf einen Compañero ein,
der sich vor Schmerzen kruemmte. Meine ausgerissenen Haare flogen
durch den Bus. Ein Polizist fing an sich mit ihnen zu schmuecken.
Gelaechter. Ich fing an zu weinen, aus Verzweiflung, Zorn und
Schmerz. Sie machten mir Mut, dass ich bestimmt bald an das Deutsche
Konsulat uebergeben werde und nicht mit den "Verbrechern" bleiben
muesste. Zum Ende der Fahrt wurde ich nach den Filmen, meinem Bargeld
und Kreditkarten gefragt. Wir erreichten Toluca.

Mein Schal wurde mir wieder uebergeworfen, als wir im Bus warteten,
um ins Gefaengnis abgefuehrt zu werden. Sie taetschelten mehrmals
meinen Kopf, traten aber brutal auf die anderen Gefangenen ein, damit
diese sich erhoben. Wegen des Schals konnte ich nicht viel sehen.
Jeder hatten einen Polizisten, der uns an die Registrierwarteschlange
am Eingang des Gefaengnisses zerrte, kopfgesenkt, Haende am Rucken
zusammengefuehrt, gegen die Wand gepresst. Stoehnen und Wimmern. Und
die dumpfen Schlaege der Polizistenstiefel gegen Fuss und Magengegend
der Gefangenen. Eine nicht endende Gewalt.

Endlich im Gefaengnis, entspannte sich zumindest die Gewaltsituation
immens. Schwerverletzte wurden in die interne Klinik gebracht, wir
konnten die Toiletten aufsuchen. Nun mussten wir in einer großen
Halle warten. Frauen und Maenner an getrennten Tischen. Man durfte
sich etwas unterhalten. Die Gesichter der Menschen von Angst und
Wunden gezeichnet. Spaeter gab es zu essen und zu trinken. Ich wurde
mit vier anderen Nicht-Mexikanern (Christina, Maria, Valerie und
Mario), die auch schwer koerperlich und psychisch misshandelt worden
waren, zum Arzt gebracht. Auf Fragen nach Telefon, Anwalt, Konsulate
bekamen wir immer nur vertroestende Antworten, wie "Ja, ja spaeter".

In einem provisorisch eingerichteten Vernehmungsbuero in einer
anderen Halle gab nun einer nach dem anderen seine Aussage ab. Ich
hatte Schwierigkeiten die Situation auf spanisch zu schildern. Alles
musste schnell gehen. Und dann wieder endloses Warten ohne Auskunft
was passieren wird. Die erste schmerzliche Zeit, um sich das Erlebte
ins Gedaechtnis zurueckzurufen. Wir wurden weiterhin als Fünfergruppe
beaufsichtigt. Das Human Right Center erschien, befragte uns zu den
Misshandlungen und machte Fotos, kontaktierte spaeter fuer mich dann
auch die Deutsche Botschaft. Wir waren erschoepft und schliefen
frierend auf den Holzbaenken. Von dem vielen Traenengas und Traenen
waren meine Augen entzuendet und ich musste meine Kontaktlinsen
entfernen, was mich aber durch meine massive Sehschwaeche fast blind
machte. Zwischendurch wurden wir fuer die Aufnahme von
Fingerabdruecken und Fotos geweckt. Dann (gegen 0:30h, 5. Mai 2006)
wurde unsere Gruppe in Erwartung einer Schlafzelle abgefuehrt. An der
Tuer wurde uns jedoch mitgeteilt, man koenne hier in Toluca nichts
mehr fuer uns tun und wir wuerden zum Immigration Office nach Mexiko
City gebracht werden.

Dann ging alles ziemlich schnell. Transport, weitere Untersuchungen,
Vernehmungen, weiterhin keine Antworten auf spezielle Fragen ueber
die rechtliche Lage, Anzeige- und Anklagerecht. Auch wurden mir meine
Rechte nicht vorgelesen. Die jeweiligen Konsulate meldeten sich bei
uns und wir konnten persoenlich mit ihnen sprechen. Das Deutsche
Konsulat bot mir an, auch endlich meine Familie zu informieren. Da
meine Dokumente und Kamera von der Polizei angeblich nicht an das
Gefaengnis uebergeben worden waren, wurde ich, begleitet von vier
Polizisten, zur Ausstellung eines Einreisepasses für die
Bundesrepublik Deutschland zum Deutschen Konsulat gebracht (gegen
15:00h, 5. Mai 2006). Von dort aus wurde ich direkt zum Flughafen in
Mexiko City gefahren, wo auch schon die vier anderen Compas auf ihre
Ausweisung warteten. Weiterhin hatten wir keinerlei Moeglichkeiten zu
telefonieren. Letztes Warten in einer abgesonderter Zelle des
Flughafenimmigrationsbueros. Nun wurden wir getrennt (mein Flug
21:30h Mex-London-FFM mit British Airways). Wie jeder von uns hatte
ich waehrend des gesamten Fluges zwei Polizisten der
Immigrationsbehoerde zur Seite, die mich am Nachmittag des 6. Mai
2006 in Frankfurt a. Main, ohne jegliche Akten zu meinem Fall, der
verwunderten Deutschen Bundespolizei uebergaben. Spaeter liess ich
mich noch einmal in einer Klinik untersuchen.
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Re: Augenzeugenbericht der Deutschen Samantha Dietmar

Beitragvon holgerka75 » Di 16 Mai, 2006 18:59

Christa hat geschrieben:Augenzeugenbericht der Deutschen Samantha Dietmar

Mein Name ist Samantha Dietmar, ich bin 27 Jahre alt und studiere in
Deutschland Fotografie und Grafikdesign. Ich wollte in Mexiko Land
und Leute dokumentieren.

In Erwartung eines Friedensmarsches, um nationalweit gegen Gewalt von
Seiten der Polizei zu protestieren (ausgerufen fuer die Morgenstunden
des 4. Mai 2006), machte ich mich zusammen mit einer Gruppe von
Studenten und Compañeros von Mexiko City auf nach San Salvador
Atenco, ...



Also wirklich, ich habe mit dieser Frau absolut kein Mitleid, sie ist nicht eine (Zitat: "Fotografie-Studentin, die Land und Leute dokumentieren möchte") sondern eine politische Aktivistin, die als Ausländerin dort absolut nichts zu suchen hatte! Da gibt es gar nichts zu diskutieren!

Leute, was soll denn das?

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Beitragvon Christa » Di 16 Mai, 2006 21:17

holgerka75 hat geschrieben:
Also wirklich, ich habe mit dieser Frau absolut kein Mitleid, sie ist nicht eine (Zitat: "Fotografie-Studentin, die Land und Leute dokumentieren möchte") sondern eine politische Aktivistin, die als Ausländerin dort absolut nichts zu suchen hatte! Da gibt es gar nichts zu diskutieren!


Bitte was? Gewalt gegen Frauen (egal aus welchem Grund) ist O.K und Frau ist es quasi auch noch selbst Schuld? Sorry, aber dafür habe ich nun wirklich absolut überhaupt kein Verständnis und bin sehr geschockt.

Selbst wenn Du den Bericht höchstwahrscheinlich nicht zu Ende gelesen hast, gibt es keinen Grund ein brutales Verhalten gegen Festgenommene zu akzeptieren.
Wenn Du den Bericht zu Ende gelesen hättest, wäre Dir aufgefallen, das Samantha
a) nicht bei der Teilnahme an einer Demo verhaftet wurde- sondern als sie versuchte so schnell wie möglich nach Mexiko Stadt zurückzukommen und
b)dass sie im Besitz des internationalen Presseausweises ist (und nicht eine politische Aktivistin) und ihn auch der Polizei zeigte.
Wie ich bereits hier geschrieben habe, hat Mexiko (Mitglied der UN seit dem 7.November 1945) die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
, die am 10. Dezember 1948 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde, anerkannt und Präsident Fox hat sich zudem in seiner Einführungsrede vom Dezember 2000 auf die volle Anerkennung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit verpflichtet. (Wie dies in der Praxis aussieht, nun gut, dies ist etwas anderes.)
Zu der Anerkennung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehört in dem Fall von Samantha Dietmar auch Artikel 19, der besagt: Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Nun gut. Was schert uns was Mexiko anerkannt hat und was nicht. Frau, wenn sie eine politische Aktivistin ist (was in dem o.g. Fall jedoch nicht zutrifft), und wenn sie auch noch Ausländerin ist, hat quasi Gewalthandlungen verdient und bedarf absolut kein Mitleid. Die Verantwortlichen wird dies sicherlich freuen. Kann man nur hoffen, dass Ausländer-Frau (egal ob Journalistin oder nicht) niemals aus Versehen in die Nähe solcher Ausschreitungen gerät – ansonsten: Pech gehabt.

Sorry, jeder Mensch hat zwar das Recht auf seine freie Meinungsäußerung, aber es steht auch jedem Mensch zu über bestimmte Äußerungen komplett geschockt und empört zu sein.

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Beitragvon Sandra » Di 16 Mai, 2006 21:36

holgerka75 hat geschrieben:Also wirklich, ich habe mit dieser Frau absolut kein Mitleid, sie ist nicht eine (Zitat: "Fotografie-Studentin, die Land und Leute dokumentieren möchte") sondern eine politische Aktivistin, die als Ausländerin dort absolut nichts zu suchen hatte! Da gibt es gar nichts zu diskutieren!

8o 8o 8o

Christa hat ihrer Empörung ja bereits Ausdruck verliehen; ich möchte mich dem anschließen.
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Beitragvon wolfmex » Mi 17 Mai, 2006 1:34

Zitat:
... studiere in Deutschland Fotografie und Grafikdesign. Ich wollte in Mexiko Land und Leute dokumentieren.

Na diese Aussage ist ja nun wirklich sehr "blauaeugig", oder :icon_rolleyes .


Zitat:
... In Erwartung eines Friedensmarsches, um nationalweit gegen Gewalt von Seiten der Polizei zu protestieren (ausgerufen fuer die Morgenstunden
des 4. Mai 2006), machte ich mich zusammen mit einer Gruppe von
Studenten und Compañeros von Mexiko City auf nach San Salvador
Atenco, ...

Also doch mit einem festen Program dagewesen :confused , oder nicht :icon_question

@Christa:
Zitat:
... niemals aus Versehen in die Nähe solcher Ausschreitungen gerät ...

Bitte Christa, das ist ja widerspruechlich mit den Aussagen der Betroffenen.

Ohne die Geschehnisse abzuwerten oder gar zu leugnen (war ja diesmal schliesslich nicht dabei), weiss man ja schon im voraus, dass die Berichte der "Betroffenen" als bare Muenze gehandelt werden, jeder andere Kommentar oder Anmerkung jedoch als "Verrat an der Sache" betrachtet wird, was ja nur der Spaltung der Meinungen gegenueber diesen Vorkommnissen zu gute kommt. Niemand, ausser den Betroffenen selbst ist "dueño de la verdad". :wink
Zuletzt geändert von wolfmex am Mi 17 Mai, 2006 1:58, insgesamt 1-mal geändert.
Si se purificaran las puertas de la percepcion, todas las cosas resultarían infinítas para el hombre (y si no, pues no)!
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augenzeugenbericht samantha dietmar

Beitragvon zonametropolitana » Mi 17 Mai, 2006 1:47

zonametropolitana schlaegt vor, doch mal den augenzeugenbericht von samantha dietmar zu lesen. danach koennte man diese diskussion ja fortfuehren. es geht um verhaftung, schlaege, sexuelle noetigung, illegale deportation. gruende genug eine formelle anklage zu formulieren.
wenn ich mir vorstelle das waere meine freundin, tochter, schwester gewesen.
wie sagte marcos so treffend:

[url=http://areametropolitana.blogspot.com/2006/05/rede-des-subcomandante-insurgentes.html]Das war ein Angriff zur Zerstoerung und Demoralisation, ausgefuehrt mit der Straflosigkeit dessen, der sich durch das Gesetz von oben beschuetzt weiss, das Gesetz des Maechtigen. Das
Gesetz welches den Mord an einem Juengling rechtfertigt, den Schusswaffengebrauch gegen die schutzlose Zivilbevoelkerung, die Zerstoerung bescheidener Haueser, die brutalen Schlaege gegen alles was sich bewegte, die sexuellen Agressionen gegen Frauen und Jungen, die willkuerlichen, wahllosen Festnahmen. In der Summe, der Faschismus.

[/url]
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Beitragvon roland.com.mx » Mi 17 Mai, 2006 15:51

Ich finde es erstaunlich, dass nur dann die Stimme erhoben wird, wenn "Frau" was passiert. Männer sind ja stark und können alles aushalten. lol!

Zum konkreten Vorfall der Mißhandlung kann ich nichts sagen, aber ich möchte einen Gedanken einbringen:
Es ist nicht das erste Mal, dass in Atenco Radau gemacht wird, und es ist ein offenes Geheimnis, dass dort Menschenrechte (und Rechte und Menschen und...) mit Füßen (und Schlagstöcken und Feuerwaffen und Tränengas-Bomben und...) getreten (und Frauen mißhandelt) wurden und dass Ausländer dort gefaßt und danach ausgewiesen wurden.

Da sollte man von "Journalistinnen" erwarten können, dass sie prudent sind und solche Zonen meiden.
Vielleicht hätten sie ihre männlichen Kollegen vorschicken sollen, so wie es in Gebieten mit erhöhtem Gewaltpotenzial (extreme Beispiele: Krisengebiete wie Irak, Tschetschenien, Afghanistan) üblich ist?
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Beitragvon zonametropolitana » Mi 17 Mai, 2006 16:23

roland.com.mx hat geschrieben:Zum konkreten Vorfall der Mißhandlung kann ich nichts sagen, aber ich möchte einen Gedanken einbringen:


soll wohl heissen: will ich nichts sagen.

roland.com.mx hat geschrieben:und es ist ein offenes Geheimnis, dass dort Menschenrechte (und Rechte und Menschen und...) mit Füßen (und Schlagstöcken und Feuerwaffen und Tränengas-Bomben und...) getreten (und Frauen mißhandelt) wurden


in mexiko werden also die menschenrechte verletzt und es ist ein "offenes geheimniss". auch eine art damit umzugehen.

roland.com.mx hat geschrieben:Da sollte man von "Journalistinnen" erwarten können, dass sie prudent sind und solche Zonen meiden.


und wenn sie es nicht tun passiert eben sowas? ein verhaftung, eine ausweisung ist ein staatlicher akt, das geht in ordnung, alles andere sind faschistische methoden.


roland.com.mx hat geschrieben:Vielleicht hätten sie ihre männlichen Kollegen vorschicken sollen, so wie es in Gebieten mit erhöhtem Gewaltpotenzial (extreme Beispiele: Krisengebiete wie Irak, Tschetschenien, Afghanistan) üblich ist?


sehr distinguierte ausdrucksweise. auf gut deutsch: wo buergerkrieg herrscht, sollen frauen erst mal die maenner vorschicken.

Zitat:
da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen
Zuletzt geändert von zonametropolitana am Mi 17 Mai, 2006 16:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon holgerka75 » Mi 17 Mai, 2006 16:24

Nein, Christa und Sandra! Ich kann Eure Empörung nicht nachvollziehen! Lest genau was ich geschrieben habe!!

Selbstverständlich finde ich Gewalt gegen Frauen, Schläge, psychische und physische Misshandlungen und andere furchtbare Dinge falsch, beschämend und unmenschlich, etwas anderes hatte ich auch nicht behauptet! Im Gegenteil, ich finde es sogar erniedrigend, das dies mir nun in den Mund gelegt wird!!! Christa, von Dir hätte ich das am wenigsten vermutet... :icon_sad

Was ich meine, und dazu stehe ich: Diese Frau ist niemals nie dorthin gegangen um für ihr Fotografie-Studium Land und Leute zu dokumentieren.(Zumindest nicht aus Studiumszwecken! Oder wollte sie nur ein paar "heisse" Bilder für Ihre Diplomarbeit?) Welche Wahrheiten oder Unwahrheiten sonst so in Ihrem Text stecken, kann und will ich nicht beurteilen, aber in dieser Sache lügt sie!
Jeder gesunde Menschenverstand sagt einem nicht an solchen Demos und Aufmärschen im Ausland (bzw. als Ausländer) teilzunehmen!
Wer trotzdem mitmacht, kommt auf eigene Gefahr in diese Situation!

Und deswegen kann diese Frau nicht mit meinem Mitleid rechnen. Das habe ich in meinem Beitrag gemeint und nichts anderes!

Und wenn nun deswegen jemand empört ist, bitte! Und wer dies falsch verstehen möchte, auch bitte!

*kopfschüttelnd* Holger
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Beitragvon roland.com.mx » Mi 17 Mai, 2006 17:09

zonametropolitana hat geschrieben: in mexiko werden also die menschenrechte verletzt und es ist ein "offenes geheimniss".

Ach, Peter, ¿eres o te haces? :icon-e-eh

Die Realität sieht immer anders aus, als alle Gesetze, Regeln, internationale Gepflogenheiten und UN-Chartas vorschreiben - auch und besonders in Mexico, wo Politiker jeglicher couleur immer neue, schärfere Gesetze versprechen und es dann in Exekutive und Judikative hapert (siehe auch in Atenco).

Mein Gedanke (!) basiert nur auf meinem (hoffentlich) gesunden Menschenverstand.
Das hat mit armen-armen Frauen genausowenig zu tun wie mit armen-armen Männern, sondern mit der aktuell gelebten Wirklichkeit in diesem Land.
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Beitragvon Sandra » Mi 17 Mai, 2006 18:46

Christa (Augenzeugenbericht von Samantha Dietmar) hat geschrieben:Die Polizisten beschimpften und bespuckten uns... als sich nach kurzer Zeit der Transporter in Bewegung setzte, traten sie auf mich und die anderen mit ihren Stiefeln ein, bruellten und beleidigten uns, schlugen mit ihren Schlagstoecken auf unsere Ruecken, Koepfe und Fuesse ein... jemand schlug mir ins Gesicht... An den Haaren wurden wir vom Transporter in einen groesseren Bus gezerrt... Schlaege, Fusstritte, Beschimpfungen. Unsere Koepfe wurden nach unten gepresst... Haende betatschten meine Brueste... usw.


holgerka75 hat geschrieben:Wer trotzdem mitmacht, kommt auf eigene Gefahr in diese Situation!

In DIESE Situation, brutale Misshandlungen ertragen zu müssen?! - Im Übrigen: egal ob Frau oder Mann; dies ergibt sich aus der jeweiligen Situation heraus... - Insofern gibt's hier gar nichts zu "staunen":

roland.com.mx hat geschrieben:Ich finde es erstaunlich, dass nur dann die Stimme erhoben wird, wenn "Frau" was passiert. Männer sind ja stark und können alles aushalten.

Wobei ich allerdings nicht unerwähnt lassen möchte, dass neben körperlichen Misshandlungen die Qualen der Frauen auch unter sexuellen, extrem demütigenden Aspekten zu betrachten sind...

Wie auch immer, Christa brachte es ja bereits auf den Punkt:
Christa hat geschrieben:gibt es keinen Grund ein brutales Verhalten gegen Festgenommene zu akzeptieren.


Bzw. noch mal zur Erinnerung:
Christa hat geschrieben:hat Mexiko (Mitglied der UN seit dem 7.November 1945) die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde, anerkannt und Präsident Fox hat sich zudem in seiner Einführungsrede vom Dezember 2000 auf die volle Anerkennung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit verpflichtet.(Wie dies in der Praxis aussieht, nun gut, dies ist etwas anderes.)

Zu der Anerkennung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehört in dem Fall der o.g. Ausländerinnen auch Artikel 19, der besagt: Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Aber "Recht haben" und "Recht bekommen" sind ja bedauerlicherweise zwei Paar Schuhe.

holgerka75 hat geschrieben:Selbstverständlich finde ich Gewalt gegen Frauen, Schläge, psychische und physische Misshandlungen und andere furchtbare Dinge falsch, beschämend und unmenschlich, etwas anderes hatte ich auch nicht behauptet!

Holger, ich verstehe, dass Du aufgebracht bist. Andererseits hättest Du Dich in der Sache vielleicht etwas unmissverständlicher ausdrücken müssen - und nicht etwa so:

holgerka75 hat geschrieben:Da gibt es gar nichts zu diskutieren!

Und ob es da sogar sehr viel zu diskutieren gibt (wie man unschwer erkennt)! Bspw. können wir alle nur Vermutungen anstellen - und etwa mitnichten stichfeste Aussagen treffen, wie z.B.:

holgerka75 hat geschrieben:Diese Frau ist niemals nie dorthin gegangen um für ihr Fotografie-Studium Land und Leute zu dokumentieren... in dieser Sache lügt sie!

Wie willst Du (oder ich oder...) das beurteilen können? ("Wollen" vielleicht schon, aber "können" wohl eher nicht.) (Abgesehen davon: Vorsicht mit der "doppelten Verneinung"! :wink)

holgerka75 hat geschrieben:Jeder gesunde Menschenverstand sagt einem nicht an solchen Demos und Aufmärschen im Ausland (bzw. als Ausländer) teilzunehmen!

Halt, auch dies ist eine unhaltbare Unterstellung, denn von "Teilnahme" war - zumindest zu dem Zeitpunkt der Festnahme durch die Polizei - nicht die Rede (ob aus taktisch klugen Gründen oder weil es vielleicht doch nur einfach die Wahrheit ist... wer weiß... Niemand von uns war schließlich vor Ort)!

Siehe dazu diesen Auszug aus dem Augenzeugenbericht von Samantha Dietmar:

Ich ging runter in die Lobby wo ein Fernseher stand, da sahen wir, dass die Polizei, mit brutalen Methoden ins Dorf hineingekommen ist. Ich dachte mir, so schnell wie moeglich nach Mexiko Stadt zurueck zu gehen.

Der Besitzer des Hotels bat uns zu gehen, er wollte keine Schwierigkeiten haben. Als wir vier auf die Strasse gingen, war keine Polizei da; Ploetzlich stand ich in einer Traenengaswolke, es erschienen einige Polizisten die uns unter Gewalttaetigkeiten festnahmen.


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Beitragvon zonametropolitana » Mi 17 Mai, 2006 21:38

roland.com.mx hat geschrieben:Ach, Peter, ¿eres o te haces? :icon-e-eh


lo fui !
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Beitragvon holgerka75 » Mi 17 Mai, 2006 22:03

Sandra & Miguel hat geschrieben:
holgerka75 hat geschrieben:Wer trotzdem mitmacht, kommt auf eigene Gefahr in diese Situation!

In DIESE Situation, brutale Misshandlungen ertragen zu müssen?!


Aber sicher! Man(n und Frau) weiss doch, das man es dort mit Menschenrechten nicht so hat, warum dann dieses Risiko eingehen?


Sandra & Miguel hat geschrieben:
holgerka75 hat geschrieben:Diese Frau ist niemals nie dorthin gegangen um für ihr Fotografie-Studium Land und Leute zu dokumentieren... in dieser Sache lügt sie!
Wie willst Du (oder ich oder...) das beurteilen können?


Na hör mal, sie schreibt es doch selbst! Sie mag aus Studienzwecken nach Mexico gegangen sein, aber die Teilnahme an der Demo... (Ich zitiere: "In Erwartung eines Friedensmarsches, um nationalweit gegen Gewalt von
Seiten der Polizei zu protestieren (ausgerufen fuer die Morgenstunden
des 4. Mai 2006), machte ich mich zusammen mit einer Gruppe von
Studenten und Compañeros von Mexiko City auf nach San Salvador
Atenco,..."
)
Die Teilnahme an einem "Friedensmarsch", ein Protestmarsch, also einer Demo ist ein politisch motiviertes Handeln, ist es das etwa nicht?


Sandra & Miguel hat geschrieben: (Abgesehen davon: Vorsicht mit der "doppelten Verneinung"! :wink)


Du irrst, "Niemals nie" ist eine Redensart und keine doppelte Verneinung! Im Gegenteil sogar...
Aber gut, wenn Du willst: "Niemals nie nicht", dann stimmts wieder, ja? 8)


Sandra & Miguel hat geschrieben: Halt, auch dies ist eine unhaltbare Unterstellung, denn von "Teilnahme" war - zumindest zu dem Zeitpunkt der Festnahme durch die Polizei - nicht die Rede


Ach, wieso gilt denn hier nur der Zeitpunkt der Festnahme? ("Herr Wachtmeister, ich habe zwar vorhin eine Bank überfallen, aber jetzt bei der Festnahme war ich doch ganz brav...") lol! BTW: Auch hier gilt wieder: Sie schreibt selbst, das sie teilgenommen hat! Egal was weiter unten steht, am Anfang schreibt sie es!


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Beitragvon miguel_alonso » Mi 17 Mai, 2006 23:27

Ich muss hier doch kurz was einwerfen.

Bitte bleibt sachlich - auch wenn das Thema sehr emotional aufwühlend ist. Die Frau hat NICHT geschrieben, dass sie an einer Demonstration teilgenommen hat, sondern dass sie "in Erwartung eines Friedensmarsches" dorthin gefahren ist. Außerdem, dass sie durch den Ort gelaufen sei, Fotos geschossen habe und "um alles sprachlich besser zu verstehen, den AlternativMedien Leuten an"schloss. Klingt eher nach Journalistin oder? Vielleicht naiv oder fahrlässig, in einen politisch hochsensiblen Ort zu fahren - aber abgesperrt war der Ort damals nicht, oder? Es gilt Reisefreiheit? Da waren im Ort ja auch mexikanische Journalisten, die von den Dächern gefilmt haben.

Es bleibt natürlich jedem überlassen, daraus den Rückschluss ziehen, dass sie eine Aktivistin ("Companeros") SEIN KÖNNTE und auch die "AlternativMedien"-Leute (es reicht einmal zu googeln) politisch einzuordnen SEIN KÖNNTEN. Wenn es Beweise gibt: her damit. Ansonsten: "lügen" sagt man leicht, aber "lügen" tun meines Wissens so ziemlich alle ... das taugt nicht als Argument.

Es hat - die Fernsehaufnahmen von Televisa etc. dürften ja wohl genug Beweis darstellen - Gewalt gegeben. Und es kann hier nicht einfach die Gewaltanwendung der Atencos aus Annodazumal (die verurteilbar ist) mit der Gewaltanwendung der Polizei gegengerechnet werden. Das eine entschuldigt nicht das andere. Dieses Schwadronieren von "Recht und Ordnung" kommt zudem immer nur selektiv zur Anwendung ... die AI-Meldungen kommen ja auch nicht von ungefähr.

Andererseits: War die Frau eine offiziell registrierte ausländische Korrespondentin in Mexiko? Oder war ihr Status "nur" der einer Studentin oder Touristin - ohne Recht auf politische Bestätigung, aber mit genau der Intention? Auch diese abstrakten Rechtsfragen sollte man in den Raum stellen dürfen ...

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abstrakten rechtsfragen

Beitragvon zonametropolitana » Do 18 Mai, 2006 2:44

miguel_alonso hat geschrieben:Andererseits: War die Frau eine offiziell registrierte ausländische Korrespondentin in Mexiko? Oder war ihr Status "nur" der einer Studentin oder Touristin - ohne Recht auf politische Bestätigung, aber mit genau der Intention? Auch diese abstrakten Rechtsfragen sollte man in den Raum stellen dürfen ...


genau da liegt der hase im pfeffer begraben. ein fm-t (tourista) ist genau das, ein touristenvisum. ich wiederhole: verhaftung und ausweisung bei untouristischen verhalten ist o.k. aber nicht der rest. doch ich vermute auch als offiziell registrierte ausländische Korrespondentin waere ihr gleiches widerfahren.

es geht doch nicht um den status der person, sondern um die person selbst. und diese rechtsfragen sind nun nicht mehr abstrakt, sondern sehr lebendig. oder anders herum gesagt: eine touristin die fotos auf demonstrationen macht, kann, wird und wird immer wieder das erleben muessen wie die deutsche, chilenische und spanische studentin ertragen haben? wohlan denn.
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Beitragvon Christa » Do 18 Mai, 2006 3:50

Wie mir die letzten Postings zeigen, liegen hier bedauerlicherweise höchstwahrscheinlich eine Reihe von Missverständnissen vor, die jedoch mit etwas gutem Willen bestimmt zu klären sind.

@Holger (holgerka75).
Nachdem wir unseren Emotionen nun einmal freien Lauf gelassen haben schätze (hoffe) ich, dass wir bestimmt friedlich etwas Licht in das scheinbare Missverständnis bringen können.
Du hast geschrieben:
Nein, Christa und Sandra! Ich kann Eure Empörung nicht nachvollziehen! Lest genau was ich geschrieben habe!!

Hier hat das Missverständnis seinen Lauf genommen:
Also wirklich, ich habe mit dieser Frau absolut kein Mitleid, sie ist nicht eine (Zitat: "Fotografie-Studentin, die Land und Leute dokumentieren möchte") sondern eine politische Aktivistin, die als Ausländerin dort absolut nichts zu suchen hatte! Da gibt es gar nichts zu diskutieren!

Aufgrund der vielleicht etwas unglücklich gewählten Formulierung konnte ich zunächst nur einmal von dem ausgehen, was dort zu lesen stand. Sei mir jetzt bitte nicht böse, aber – kein Mitleid- klang wirklich so wie –selber schuld- und Hinterließ den Eindruck, als wenn Misshandlungen in diesem Fall gerechtfertig wären. Dies, und das ich von Dir natürlich eine solche Haltung nicht erwartet hätte, hat vielleicht mein Blut etwas sehr in Wallung gebracht.
Anhand Deines neuen Postings ist mir jedoch klar geworden, dass Du damit nur ausdrücken wolltest, dass Jemand der (ich spreche jetzt bewusst allgemein und nicht über Samantha) sich bewusst in Gefahr begibt, auch damit rechnen muss, dass er Schaden nehmen kann. Das klingt natürlich etwas anders. Und wenn Du das gemeint hast, nehme ich natürlich meine Empörung zurück und bedaure, dass Du Dich erniedrigt gefühlt hast.
Da Du zum Ausdruck gebracht hast, dass Du gegen Gewalt bist, stimmst Du mir bestimmt auch zu, dass Gewalt und Misshandlungen gegen Festgenommene (egal ob nun eine Person dort etwas zu suchen hatte oder nicht) verabscheuungswürdig sind. Ist das eine Basis auf der wir uns treffen können und die Missverständnisse sind nunmehr aufgehoben?

holgerka75 hat geschrieben:
Diese Frau ist niemals nie dorthin gegangen um für ihr Fotografie-Studium Land und Leute zu dokumentieren.(Zumindest nicht aus Studiumszwecken! Oder wollte sie nur ein paar "heisse" Bilder für Ihre Diplomarbeit?)

Wie ich gerade sehe, hat Miguel schon etwas dazu geschrieben (Danke Miguel).
Möchte dies nur noch etwas ergänzen.
In einem Interview, das Samantha mit La Jornada geführt hat heißt es:
La alemana Samantha Dietmar, de 27 años, fue una de los cinco extranjeros expulsados de México tras ser detenidos durante la represión policiaca perpetrada en San Salvador Atenco el 4 de mayo.
Entrevistada por La Jornada, la estudiante de fotografía y diseño gráfico relata "el infierno" que le tocó vivir mientras estuvo en manos de la policía.
Estaba en México desde enero pasado, realizando un reportaje gráfico sobre México y su gente, como parte de sus estudios universitarios en Alemania.
Tras enterarse del enfrentamiento en Atenco del 3 de mayo, con un grupo de periodistas independientes llegó a la Universidad Chapingo. Estaba convocada al día siguiente una marcha pacífica de protesta. "Mi intención era hacer fotografías en el pueblo", aclara.
( http://www.jornada.unam.mx/2006/05/14/0 ... p#samantha )

Samantha ist nicht mal eben nur nach San Salvador Atenco gefahren um dort ein paar "heisse" Bilder zu machen, sondern Samantha ist im Besitz des Internationalen Presseausweises und macht(e) mit Genehmigung bereits seit Januar 2006 eine Photoreportage über Mexiko und seine Menschen. Zu diesem Zwecke wollte sie in Atenco auch nur eine Photoreportage über eine friedliche Demonstration machen. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, welche Brutalität und Eskalation dort von statten gehen sollte. Samantha wurde festgenommen, obwohl sie nicht an der Demonstration teilgenommen und keinerlei aggressives Verhalten gezeigt hat, und trotz Vorweisen der Genehmigung zur Arbeit als freie Journalistin. Es gibt sogar Fernsehaufnahmen, die zeigen, wie Samantha und andere festgenommen werden und Polizeikräfte auf sie einschlagen, obwohl sie sich friedlich verhalten und ihre Presseausweise vorweisen.
Obwohl nach ihrer Festnahme durch eine Menschenrechtsorganisation eine gerichtliche Verfügung gegen die illegale Deportation erwirkt wurde, hat man Samantha illegal nach Deutschland abgeschoben. Illegal, weil man sie der deutschen Polizei ohne Nennung des Grundes der Deportation übergab. Das Samantha keine politische Aktivistin ist zeigt, dass sie nicht auf Grund des berüchtigten Artikels 33 (Ausländer dürfen sich in keinster Weise in die politischen Angelegenheiten des Landes einmischen") ausgewiesen wurde.

@Wolfmex

Zitat:
... niemals aus Versehen in die Nähe solcher Ausschreitungen gerät ...

Bitte Christa, das ist ja widerspruechlich mit den Aussagen der Betroffenen.

Nein, das war nicht auf Samantha Dietmar gemünzt sondern galt als Sarkasmus (der aus der Empörung entstand) allgemein.

Wolfmex hat geschrieben:
Ohne die Geschehnisse abzuwerten oder gar zu leugnen (war ja diesmal schliesslich nicht dabei), weiss man ja schon im voraus, dass die Berichte der "Betroffenen" als bare Muenze gehandelt werden, jeder andere Kommentar oder Anmerkung jedoch als "Verrat an der Sache" betrachtet wird, was ja nur der Spaltung der Meinungen gegenueber diesen Vorkommnissen zu gute kommt.

Du hast Recht. Wie oftmals Berichte der "Betroffenen" gehandhabt werden ist wirklich nicht mehr schön und vor allen Dingen versucht jede Seite sie für eigene Zwecke zu benutzen. Aber hallo, ich bin ein gute Moderatorin :wink ( oder nicht :D ) . Ich achte nicht nur darauf (habe ich glaube schon mal irgendwo geschrieben) dass hier nicht die Sensationspresse Einzug hält, sondern überprüfe (natürlich nur soweit wie mir möglich) die Meldungen. Jetzt kann ich natürlich was Meldungen hier in der BG Menschenrechte betrifft nur für mich selbst sprechen. „Meine“ Mitteilungen(Informationen stammen fast ausschließlich (gibt natürlich auch Ausnahmen) nur von Personen die in Mexiko arbeiten und leben. Nichts schadet der Menschenrechtsarbeit mehr, als falsche Informationen. Aus diesem Grunde sind die von diesen Personen erstellten Berichte nachprüfbar und oftmals (z.B. in Menschenrechtszentren in Mexiko) dokumentiert, recherchiert und dort ebenfalls überprüft worden.
Das ganze Prozedere zu beschreiben wie diese Berichte erstellt, geprüft werden und wie man erkennt ob etwas wahr ist oder nicht würde jetzt hier zulange aufhalten. Die Infos/Berichte die nach Deutschland gesandt werden, werden, je nach dem wohin sie gelangen, nochmals geprüft. Über einen so genannten Verteiler kann man dann zum Beispiel Zugriff auf diese Infos erhalten.
Natürlich können auch hier „Fehler“ passieren. Aber in der Regel werden diese nach Erkennen (wie gesagt, nichts schadet der Sache mehr als falsche Infos) korrigiert. Trotz sorgfältigem Umgang mit Geschehnissen und Infos würde ich aber nie eine 100% Garantie für eine Info abgeben (außer, ich war selbst vor Ort :wink ). Etwas Skepsis ist immer angebracht und erhöht zudem die Aufmerksamkeit.

holgerka75
Aber sicher! Man(n und Frau) weiss doch, das man es dort mit Menschenrechten nicht so hat, warum dann dieses Risiko eingehen?

Gute Frage. Warum gehen Journalisten und Menschenrechtler dieses Risiko ein?
Gegenfrage:Wenn nicht sie, wer dann? Wie sonst soll die breite Öffentlichkeit Kenntnis über sowohl gute wie auch schlechte Ereignisse erhalten? Wenn nicht sie, wer dann dokumentiert solche Ausschreitungen und Gewalttaten? Dies hat nichts mit Sensationsjournalismus oder Hang für Gefahren zu tun sondern mit der Wertschätzung des Lebens und der Menschen. Geheimhaltung, und damit Straflosigkeit für bestimmte Vergehen, bilden den Nährboden für Menschenrechtsverletzungen. Je mehr Menschen informiert sind und sich dafür interessieren, desto größer wird der öffentliche Druck und bereits begangene und zukünftige Vergehen können nicht mehr unter „den Tisch fallen“.

Zonametropolitana hat geschrieben:
es geht doch nicht um den status der person, sondern um die person selbst. und diese rechtsfragen sind nun nicht mehr abstrakt, sondern sehr lebendig. oder anders herum gesagt: eine touristin die fotos auf demonstrationen macht, kann, wird und wird immer wieder das erleben muessen wie die deutsche, chilenische und spanische studentin ertragen haben? wohlan denn.

Im Grunde genommen muss ich Zonametropolitana recht geben. Allerdings sollte man jetzt Touristen nicht in Panik versetzen. Nicht bei jeder Demo kommt es zu diesen Ausschreitungen. Es gibt genug Touristen die sich darüber freuen z.B. im Moment Bilder von Marcos machen zu können. Es kommt immer darauf an: Wo, wann und wie. Allerdings, um allen möglichen Komplikationen aus dem Weg zu gehen ( und Touristen sind glaube ich kaum in der Lage „Wo, wann und wie“ einschätzen zu können) , sollte man immer wieder an den berüchtigten Artikel 33 erinnern: „Ausländer dürfen sich in keinster Weise in die politischen Angelegenheiten des Landes einmischen." Dieser Artikel 33 ermöglicht es und kann so ausgelegt werden (deshalb so berüchtigt), das die reine Anwesenheit bei einer politischen Demo reicht, um eine Ausweisung zu rechtfertigen.
Somit gibt dieser Artikel der Regierung die Befugnis jeden Ausländer, "dessen Aufenthalt als unpassend beurteilt wird", ohne weitere Begründung zu deportieren.
Deshalb die Bitte an alle Touristen. Genießt das Land, verbringt einen schönen Urlaub in dem landschaftlich einfach traumhaften Land aber bitte keinerlei politische Betätigung. Verhaltet euch einfach so, wie man es auch von Touristen z.B. in Deutschland erwartet.

Liebe Grüße
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Beitragvon holgerka75 » Do 18 Mai, 2006 18:27

Hallo Alle!

zonametropolitana hat geschrieben: ich wiederhole: verhaftung und ausweisung bei untouristischen verhalten ist o.k. aber nicht der rest.


So, jetzt kommen wir irgendwie zusammen, nichts anderes meine ich!


Miguel_Alonso hat geschrieben:...Andererseits: War die Frau eine offiziell registrierte ausländische Korrespondentin in Mexiko?...


Als Fotografie-Studentin? Die sich Alternativ-Medienleuten und Companeros anschloss?
Ach komm....!


Christa hat geschrieben:
Anhand Deines neuen Postings ist mir jedoch klar geworden, dass Du damit nur ausdrücken wolltest, dass Jemand der (ich spreche jetzt bewusst allgemein und nicht über Samantha) sich bewusst in Gefahr begibt, auch damit rechnen muss, dass er Schaden nehmen kann. Das klingt natürlich etwas anders. Und wenn Du das gemeint hast, nehme ich natürlich meine Empörung zurück und bedaure, dass Du Dich erniedrigt gefühlt hast.


Natürlich, ich habe nichts anderes gemeint, Christa! Ich neige wohl manchmal zu Überspitzungen in der Schriftsprache, jedoch versuche ich dann immer nur darzulegen, was ich im Moment denke! Und dann bin ich eben ehrlich, und schreibe meine vollständige Gedanken, auch wenn sie manchmal und manchem wehtun, aber das Niederschreiben von Meinungen und Gedanken im Gegensatz zum Reden ist ja eh so ne Sache für sich.... Manchmal wünschte ich mir, in Foren könne man dem Gesprächspartner Tonfall, Gestik usw... mitliefern...



Christa hat geschrieben: Da Du zum Ausdruck gebracht hast, dass Du gegen Gewalt bist, stimmst Du mir bestimmt auch zu, dass Gewalt und Misshandlungen gegen Festgenommene (egal ob nun eine Person dort etwas zu suchen hatte oder nicht) verabscheuungswürdig sind. Ist das eine Basis auf der wir uns treffen können und die Missverständnisse sind nunmehr aufgehoben?


Ich habe an dieser Formulierung nichts auszusetzen, ich schliess mich Dir voll und ganz an!


Christa hat geschrieben:Gute Frage. Warum gehen Journalisten und Menschenrechtler dieses Risiko ein?
Gegenfrage:Wenn nicht sie, wer dann?


Ja, das stimmt ja, aber ich sehe die gute Frau einfach nicht als Journalistin (Und wenn sie eine Menschenrechtlerin wäre, hätte sie es wohl gesagt..). Christa, was bedeutet denn ein "internationaler Presseausweis" schon, den bekommt man an jeder Ecke. Sie ist Studentin, sie schreibt und fotografiert für keine Zeitung, sondern für ihr Studium, sie war aus Eigeninteresse dort. Und das macht für mich eben den Unterschied.

Schau, ich bin Vermessungsingenieur, ich wurde im Januar gefragt, ob ich für ein Projekt in Afghanistan 10 Tage dort arbeiten würde. Sehr gute Entlohnung, Speis, Trank und Dach über dem Kopf sowie Bewachung der Arbeitsstelle durch Armee-Kräfte inklusive. Nach längerer Überlegung habe ich abgelehnt, manche nennen es Feigheit, ich nenne es eben "kein Risiko eingehen". Du siehst, was den Ingenieuren aus Leipzig passiert ist, letztes Jahr dieser Rot-Kreuz-Mitarbeiterin und vielen leuten mehr...
Mexico ist keine Kriegsgebiet, klar! Aber es gibt eben auch dort Situationen, von denen hält man sich einfach fern!

Christa hat geschrieben:Liebe Grüße
Christa

dito zurück!
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Beitragvon zonametropolitana » Fr 19 Mai, 2006 18:39

heute hat das innenministerium zum ersten mal zugegeben "das es hinweise auf schwere menschenrechtsverletzungen" bei dem polizeieinsatz in san salvador atenco am vergangenen 3. u. 4 mai gibt.

zwei wochen danach.
so lange konnten sie um den heissen brei herumreden.


La Secretaría de Gobernación (SG) admitió que hay "indicios de violaciones graves a los derechos humanos" en el operativo policiaco en San Salvador Atenco, ocurrido el pasado 4 de mayo.

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Wir sehen uns im Gefängnis

Beitragvon Christa » Fr 26 Mai, 2006 1:33

»Wir sehen uns im Gefängnis!«

Die Polizei ging mit großer Brutalität gegen Blumenhändler vor, danach eskalierte in der mexikanischen Stadt Atenco die Lage. von marius boch und marco pulquo

Dichter schwarzer Qualm steigt aus einem Haufen alter Autoreifen auf der Straße empor. Wenn der Wind dreht, dringt uns der Gestank in die Nasen und nimmt uns den Atem. »Wisst ihr, dass bei der Verbrennung von Gummi giftige Gase entstehen?«, fragt ein Student. Niemand geht darauf ein. Alle sind müde. Und nachts kann es sehr kalt sein in Mexiko. Wir rücken näher zusammen, María nimmt mich in die Arme.

Wir hatten uns am späten Nachmittag im unabhängigen Medienzentrum in Mexiko-Stadt getroffen. Ein paar Studenten von der Universidad Nacional Autónoma de México (Unam) und eine Handvoll Punks, die mit der »Anderen Kampagne« der zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) in die Hauptstadt gekommen waren (Jungle World 19/06). Zwei Leute brachten gerade die Internetseiten des Medienkollektivs auf den neuesten Stand, die anderen tranken Bier oder schlürften Kaffee. Doch dann kam eine Nachricht übers Netz, die dem entspannten Beisammensein ein En¬de machte. In San Salvador Atenco nordöst¬lich von Mexiko-Stadt war es am Morgen zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und einer Gruppe von Straßenhändlern und Campesinos aus dem benachbarten Texcoco gekommen. Ein Jugendlicher sei getötet worden. Noch wusste niemand genau wie, die Gerüchte überschlugen sich. Von einem zweiten Opfer war die Rede, von Polizisten, die als Geiseln genommen wurden. Wir waren aufgeregt, wussten aber nicht, was zu tun sei.

Am selben Tag, es war Mittwoch der 3. Mai, verurteilt Subcomandante Marcos, Sprecher der EZLN, auf dem Platz der Drei Kulturen in Tlatelolco den Polizeieinsatz. Für die von den Zapatisten verwalteten Gebiete im Bundesstaat Chiapas und die zapatistischen Truppen ruft er die »Alarmstufe Rot« aus. Dann fordert er die Versammelten auf, sich am nächs¬ten Morgen mit den Menschen in Atenco zu solidarisieren: »Organisiert Straßenblockaden, Flugblätter, Malaktionen, geordnet und friedlich. Atenco darf nicht alleine bleiben!«

Wir machten uns auf den Weg in das Dorf, ohne zu wissen, was uns erwartete. Es war schon dunkel, als wir an einer Straßensperre kurz vor Atenco auf eine Gruppe älterer Frauen mit Macheten stießen. Wir blieben bei ihnen und sie erzählten uns, was sich in Texcoco ereignet hatte. Die Stadtverwaltung hatte den Campesinos, die seit Jahren Blumen auf dem Mercado Belisario Dominguez verkauften, mitgeteilt, ihre Stände künftig an¬dernorts aufbauen zu müssen. Die Blumenhändlerinnen hatten aber erneut eine Genehmigung erstritten. Als die Frauen versuchten, ihre Marktstände aufzubauen, gingen Polizisten mit Schlagstöcken, Tränengas und Schusswaffen gegen sie vor. Die Händlerinnen und Mitglieder der Campesino-Organisation »Front der Gemeinden zur Verteidigung der Erde« (FPDT) aus Atenco antworteten mit Macheten und Mo¬lotowcocktails. Nach stundenlangen Straßenkämpfen waren über hundert Menschen festgenommen, zahlreiche Beteiligte verletzt und der vierzehnjährige Francisco Javier Cortes von der Polizei erschossen worden. Die Aufständischen hatten elf Polizisten entführt.

Nach der Rede des Subcomandante veröffentlicht die EZLN einen Aufruf, in dem sie die im Landkreis Texcoco regierende Partei der Demokratischen Revolution (PRD) und die Regierungs¬partei des Bundesstaates Estado de México, die Partei der Institutionellen Revolution (PRI), beschuldigt, für die Unruhen und den Tod des Jugendlichen in Texcoco verantwortlich zu sein: »Die Allianz zwischen PRD und PRI veranlasste die Räumung des Blumenmarktes, da er dem Landrat von Texcoco zu häss¬lich für das Stadtbild erscheint. Er hätte dort lieber ein Einkaufszentrum und einen Wal-Mart.«

Am Abend wurde es ruhiger in der Stadt. An den Straßen nach Atenco wurden wei¬tere Sperren errichtet, um die Bundespolizei aufzuhalten. Essen wurde verteilt. Aber die Angst vor einem Angriff auf Atenco, wohin sich die meisten Demonstranten zurückgezogen hatten, war überall zu spüren. In den folgenden Stunden wurde Benzin in Flaschen gefüllt und die Reifenbarrikaden wurden erweitert.

Seitdem sitzen wir an der Schnellstraße und warten auf die Polizei. Langsam dämmert der Morgen. Es ist Donnerstag, der 4. Mai. Ich betrachte die Umrisse der beiden Lastwagen, mit denen die Straße blockiert ist. Ich lege meinen Kopf in Marias Schoß. Dann fallen mir die Augen zu.

In der Nacht zum Donnerstag treffen sich in Mexiko-Stadt die Kommandeure der ver¬schiedenen Polizeieinheiten, um die Erstürmung des besetzten Dorfes zu planen. Leiten soll den Angriff der Vorsitzende der staatlichen Sicherheitskommission, Wil¬fre¬do Robledo. 3 500 Polizisten werden mobilisiert, die Bundespolizei und Spezialeinheiten nicht mitgezählt. Robledo ist ein erfahrener Mann. Im Februar 2000 hat er den Streik der Studenten an der Unam nie¬dergeschlagen. Auch der brutale Polizeiein¬satz während des Weltwirtschaftsforums in Cancún trägt seine Handschrift.

Der Knall von Signalraketen reißt mich aus dem Schlaf. In dichten Reihen marschieren schwerbewaffnete Polizisten in Kampfmontur auf uns zu. Gasgranaten werden abgefeuert. Gewehrschüsse sind zu hören. Hubschrauber tauchen in niedriger Höhe auf. Einige von uns rennen in Panik davon, andere greifen zu den Molotowcocktails. »Wir sehen uns im Gefängnis«, ist Marías letzter Satz, dann verlieren wir uns im Tränengasnebel. Ich renne orts¬einwärts. Mit Berenice, einer Studentin, flüchte ich mich in einen Rohbau am Straßenrand. Hinter einer schwarzen Rauch¬säule geht langsam die Sonne auf. Auch hier ist das bedrohliche Geräusch der Helikopter zu hören, die über der Straße stehen. Auf dem Flachdach des gegenüber liegenden Hauses befinden sich Menschen, die das Geschehen beobachten. Berenice fragt mit Handzeichen, ob sie uns hineinlassen würden. Sie winken uns zu, und wir laufen hinüber.
In Mexiko-Stadt werden Straßenblockaden errichtet. Am Kilometer 17,5 der Bundesstraße nach Atenco haben sich kurz nach Sonnenaufgang schon über 300 Menschen versammelt. Die ersten Reihen der Blockierer sind nur einen Steinwurf von den Plastikschilden der Bundespolizei entfernt. Als die Polizei vorrückt, laufen plötzlich zwei Busfahrer zu ihren Fahrzeugen, starten die Motoren und fahren die Fahrzeuge zwischen die »Ordnungs¬kräfte« und die Demonstranten. Die Polizei zieht sich wieder zurück. An den Bussen werden Transparante angebracht: »Wir alle sind Atenco.« Die Busfahrer stehen daneben, rauchen gelassen eine Zigarette: »Hatten wir denn eine andere Wahl? Die hätten die Leute doch sonst überrannt.«
Ein Hof mit Kampfhähnen in win¬zigen Käfigen. Ein Mann, eine junge und eine alte Frau, vier oder fünf kleine Kinder. Die alte Frau rät uns, lieber eine Familie zu gründen, als unseren Müttern Sorgen zu bereiten. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Aber wir sind dankbar, dass sie uns hilft. Käme die Polizei, würde auch sie Schwierigkeiten bekommen. Der Mann mag die Polizei nicht, aber auch nicht die FPDT, weil die Organisation seiner Meinung nach Konflikte in die Stadt hineintrage. Er hat sich vor vier Jahren an den Protesten beteiligt, mit denen die geplante Erweiterung des hauptstädtischen Flughafens auf das Gebiet Atencos verhindert wurde. Heute möchte der Mann lieber seine Ruhe.
Die Polizei nimmt Ignacio del Valle, den Sprecher der FPDT, in einem Haus in Atenco fest. Fotoreporter werden Zeugen, wie er von zwei maskierten Polizisten abgeführt wird. Del Valles Kopf ist zum Teil mit einem Tuch bedeckt, unter dem sein blutiges Gesicht hervorragt. Del Valle hat bereits im Jahr 2002 die Protestbewegung gegen den Ausbau des Flughafens mit angeführt und noch vor wenigen Tagen, am 1. Mai, den Personenschutz für Subcomandante Marcos in Mexiko-Stadt geleitet. Nun fordert der Gouverneur des Estado de México, Enrique Peña Nieto, lebenslange Haft für den »Entführer« und »Kriminellen«.
Um sieben Uhr schalten unsere Gastgeber die Fernsehnachrichten an. Ein Sprecher der Regierung des Bundesstaates Estado de México begründet den harten Einsatz mit der Notwendigkeit, die gefangenen Polizeibeamten aus den Händen der Aufrührer zu befreien. Dann folgt ein Live-Bericht aus Atenco. Wir hören die dumpfen Explosionen der Gasgranaten, die Rotoren der Hubschrauber, die Schreie von Men¬schen, sehen, wie sie zusammengeschlagen und auf Pritschenwagen geworfen werden. All das ereignet sich in diesem Moment nur we¬nige Straßen entfernt von uns. Wir sehen die schrecklichen Bilder, von draußen dringt der Originalton herein.

Gegen neun Uhr haben die Polizeiverbände Atenco vollständig eingenommen. Wem es nicht gelingt, sich vorübergehend in ein Haus zu flüchten, der wird festgenommen. In den folgenden Stunden wird der Ort systematisch durchkämmt. Türen werden eingetreten, die Häuser nach Geflohenen durchsucht und zum Teil verwüstet. Sechs Tage später werden drei Beamte der Staatspolizei im Radiosender Canal 40 aussagen, man habe ihnen befohlen, auf alles einzuprügeln, was sich bewegt. Auch der Gebrauch von Schußwaffen sei ausdrücklich gestattet worden.
Nach zwei oder drei Stunden findet sich ein hilfsbereiter Nachbar, der uns mit seinem Auto zur Universität Chapingo in Texcoco bringt. Ich bin erleichtert, die Gefahr, bei einer Durch¬suchung von den plappernden Kindern verraten zu werden, war groß. In Chapingo haben Studenten ein Informationszentrum eingerichtet, in dem Namen von Festgenommenen und Vermissten zusammengetragen werden. Ich suche auf den Listen nach María. Sie ist nicht dabei.

Am Abend treffen sich im hauptstädtischen Gewerkschaftslokal der »Union sozialistischer Arbeiter« verschiedene politische Gruppen und einige flüchtige Mitglieder der FPDT und beschließen, am kommenden Tag einen Protestmarsch nach Atenco zu organisieren. Auch die EZLN unterstützt dieses Vorhaben. Die Vor¬be¬reitungen beginnen.
Es muss inzwischen Nachmittag sein. Ich habe keinen Hunger, esse aber schließlich ein paar Kekse, die irgendwo herumliegen. Sie schmecken ekelhaft. Ich frage weiterhin jeden, den ich treffe, nach Maria.

Irgendwann fahren wir zum Gefängnis Santiaguito in Toluca. Aber auch dort erfahre ich nichts über den Verbleib von Maria. Zurück in Mexiko-Stadt erzählt man mir, dass unter den festgenommenen Ausländerinnen auch Spanierinnen sein sollen. Jemand will Maria gesehen haben, in der Botschaft, kurz nur, und sie sei frei. Aber es ist nur eines von unzähligen Ge¬rüch¬ten. Am Freitagmorgen gibt es neue Listen und neue Hoffnungen. Neben den Namen von 63 Vermissten und 209 Festgenommenen steht auch die Zahl der inhaftierten Ausländerinnen und Ausländer: »5«. Ihre Identität ist noch nicht bekannt. Am Nach¬mittag dann endlich die Namen. Auch der von María ist dabei.

Die wachsende Kritik an dem brutalen Polizeieinsatz in Atenco weisen die politischen Verantwortlichen zurück. Der mexikanische Präsident Vicente Fox verkündet mit ernster Mine, nur auf diese Weise habe man den »sozialen Frieden« wieder herstellen können. Gouverneur Peña Nieto weist eine generelle Kritik an dem Einsatz zurück und verspricht Aufklärung, »falls es denn unangemessene Aktionen der Polizei gegeben habe«. Sein Amtsvorgänger hat dagegen keine Kreide gefressen. »Miss¬handlungen? Menschenrechtsverletzungen? Gab es nicht! Seit wann können Ratten Menschenrechte für sich in Anspruch nehmen?«

Im Informationszentrum erfahre ich, wohin die Ausländer gebracht worden sind. Die Estación Migratoria de Iztapalapa in Mexiko-Stadt ist eine Art mexikanische Ausländerbehörde. Ich finde ein Auto, das mich dorthin mitnimmt. Lange muss ich vor dem Gebäude warten, dann sehe ich María an einem Fenster. Wir versuchen, uns mit Handzeichen zu verständigen.

Um 17 Uhr setzt sich in Chapingo eine Bus- und Autokarawane mit rund 2 000 Menschen in Bewegung. Auf dem Marktplatz von Atenco angekommen, hat sich die Zahl der Teilnehmenden mehr als verdoppelt. Subcomandante Marcos spricht zu den Versammelten. Er kritisiert die Berichterstattung der Massenmedien, vor allem der beiden marktbeherrschenden Unternehmen Televisa und TV Azteca: »Auf den ersten Bildern von den Festnahmen konnte man eindeutig sehen, wie die Polizei Gefangene verprügelte, die bereits bewegungsunfähig waren. Am Abend war be¬reits alles umgearbeitet, die prügelnden Polizisten waren nirgends mehr zu sehen. Wo sind diese Bilder geblieben?« Marcos zeigt fünf Gewehrpatronen. »Das hier wird von der unbewaffneten Polizei verschossen. Hier ist der Beweis dafür, wie unbewaffnet die Polizei gewesen ist; der Beweis dafür, was diesen jungen Compañero getötet hat.« Er bietet die Patronen den Journalisten von Televisa und TV Azteca als Beweis an, die weigern sich jedoch, sie anzusehen.

Ich wäre gerne zu der Demonstra¬tion in Atenco gefahren. Meine Sorge, was mit Maria geschehen wird, ist jedoch größer. Auf das Gerücht hin, die Ausländer würden heute noch abgeschoben, fahre ich mit anderen Leuten zum Internationalen Flug¬hafen. Dort weiß niemand etwas davon.
Erst am Samstag werden in den Nachrich¬ten die Ausweisungen bestätigt. Außerdem wird berichtet, dass bei den zweitägigen Auseinan¬dersetzungen in Atenco über 200 Menschen verhaftet worden seien. Ihnen wird neben der »Blockade öffentlicher Ver¬kehrswege« teilweise auch »gemeinschaftliche Entführung« und gar der Mord an dem 14jährigen Jungen zur Last gelegt. Immer noch behauptet der Einsatzleiter Robledo, die Polizei sei unbewaf¬fnet nach Aten¬co gekommen.

Ich erreiche María in Barcelona. Sie erzählt mir am Telefon, was passiert ist: »Als die Polizei uns fand, drückten sie uns mit dem Gesicht zu Boden, zogen uns Kapuzen über und fesselten unsere Hände. Im Innenhof des Hauses wurden wir nach unserem Namen gefragt und gefilmt, man begann uns zu beschimpfen und zu schlagen. Anschließend warfen sie uns auf die Ladefläche eines Transporters, traktierten uns mit Schlagstöcken und traten auf uns ein. Uns Spanierinnen beschimpften sie als etarras, also als Mitglieder der Eta, und nannten uns »Nutten«. Später wurden wir auf ein größeres Fahrzeug umgeladen. Dort fielen sie über die Frauen her. Da wir Säcke über den Köpfen hatten, konnten wir nicht sehen, wer sie waren. Ich konnte nur die Stiefel der Polizisten erkennen, und dass der Boden voller Blut war. Und ich hörte die Schmerzens¬schreie der anderen. Sie zerrissen unse¬re Kleidung, und viele Hände begrapsch¬ten meinen Unterleib. Versuchten wir, miteinander zu sprechen, schlugen sie uns. Erst im Gefängnis in Toluca nahm man uns die Säcke vom Kopf und die Handschellen ab. Sie drohten uns Haft¬strafen bis zu einem Jahr an und zwan¬gen uns, irgendwelche Dokumente und Erklärungen zu unterschreiben. Auf der Migrationsbehörde bekamen wir Besuch vom spanischen Konsul. Wir erzählten ihm, was die Polizisten mit uns gemacht hatten, dass man uns alles geklaut hatte. Er versprach vage, dem nachzugehen. Gegen fünf Uhr wurden wir zum Flughafen gebracht. Ohne medizinische Versorgung wurden wir mehrere Stunden in einer Arrestzelle auf dem Flughafen festgehalten. Schlie߬lich setzte man uns in ein Flugzeug nach Barcelona.«

Inzwischen haben Menschenrechtsorganisationen über 150 Fälle von Miss¬handlungen und Missbrauch der Gefangenen dokumentiert. Präsident Fox erklärt, der soziale Frieden sei nur noch zu gewährleisten, wenn die EZLN vollständig entwaffnet werde.
Am Sonntag, dem 14. Mai, ein Uhr morgens, besteige ich in Toluca eine Maschine der Air Madrid, mit der ich nach Spanien fliege.

Quelle:
http://www.jungle-world.com/seiten/2006/20/7772.php
Christa
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Beitragvon Christa » Fr 26 Mai, 2006 1:36

Staatsanwaltschaft von D.F.: Javier Cortés absichtlich ermordet
Tödliche Kugel aus 70 cm Entfernung abgefeuert

von Israel Davila
La Jornada / ZNet Deutschland 18.05.2006

Toluca, México, 17. Mai 2006. Der Tod des jungen Javier Cortés Santiago während der Konfrontation zwischen den Bewohnern von Atenco und der Staats- und Bundespolizei am 3. Mai, war kein Unfall, sondern wurde absichtlich herbeigeführt, verkündete heute der Staatsanwalt des Bundesstaates México, Abel Villicaña Estrada. Die Waffe, die das Leben des Jungen gefordert hat, wurde aus einer Entfernung von weniger als 70 cm abgefeuert.

Nach Bericht des Staatsanwaltes, seien Aussagen von Augenzeugen eingeholt worden, um mit wissenschaftlicher Exaktheit festzustellen, wer die Schusswaffe Kaliber 38 abgefeuert hat, die den Jugendlichen getötet hatte, "da wir noch immer nicht wissen, ob es aus der Menge kam, oder von der Polizei."

Der Staatsanwalt gab an, die forensische Untersuchung beweise, dass Cortés Santiago das Opfer eines direkten und absichtlichen Mordes geworden ist, da es sich nicht um eine verirrte Kugel handelte. Der Schuss wurde aus einer Entfernung von weniger als 70 cm zwischen Schütze und Opfer abgegeben, und der Jugendliche machte schützende Bewegungen, da er seinen Arm erhoben hatte, und der Schuss durch seinen Arm hindurch, und in den Brustkorb drang.

Mit Betreff auf das Video, dass vom Menschenrechtszentrum Miguel Agustín Pro, am 10 Mai veröffentlicht wurde, in dem drei Agenten der mexikanischen Staatspolizei zugeben, dass die tödliche Kugel von Polizisten abgefeuert wurde, sei das Material bereits von der Staatsanwaltschaft zur Beweisaufnahme angefordert worden.

Der Staatsanwalt versicherte den Reportern, dass das Video "keine juristische Gültigkeit besitzt" und "bei der Ermittlung der Todesursache völlig wertlos ist," und fügte hinzu, dass die Staatsbehörden von México würden es für eine Fälschung halten, da es die Identität der aussagenden Polizisten nicht enthüllte, und die Stimmen entfremdet waren.


[ Übersetzt von: Dana
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1809
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