Christa hat geschrieben:Wieso hast Du Dir gerade Straßenkinder in Mexiko City für Dein Projekt ausgesucht? Willst Du Dich wirklich am Anfang direkt mit „mehr als nur eine Herausforderung zu Hilfe“ auseinandersetzen...
Hallo Christa,
erstmal gebe ich dir prinzipiell in den Punkten Recht, auch wenn mir da sehr viel Erfahrung fehlt und ich vieles noch nicht selbst gesehen oder erlebt habe. Ich hole mal großzügig aus, damit meine Entscheidung besser zu verstehen ist. Warnung: Hier folgt nun einiges an persönlichen Dingen, die bestimmt nicht jeden Interessieren.
Mein Vater ist jetzt seit über 35 Jahren Vorsitzender in einem Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes und seit geraumer Zeit Sozialbeauftragter des DRK in unserem Kreis. Meine Mutter kümmert(e) sich ehrenamtlich um pflegebedürftige Menschen in unserem Heimatort und leitet/führt aktiv einen "Tanz- und Trachtenverein" (Tanz, Alten- bzw. Wassergymnastik, kulturelle Projekte etc.). Für ihr Engagement wurde im letzten Jahr ein Bundesvedienstorden verliehen und damit ihre Arbeit ein Stück gewürdigt. Soviel mal ganz grob zu dem sozialen Rahmen

:
Ich selbst bin seit meinem sechsten Lebensjahr im Roten Kreuz. Habe an nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen. Jugendgruppen geleitet, im Vorstand des DRK mit gearbeitet. In dem Rahmen Projekte in Benin (Afrika) mit unterstützt... bis ich halt beruflich bedingt für diese Dinge gar keine Zeit hatte und es nur noch "Job" in meinem Leben gab.
1996 habe ich mich beruflich neu orientiert und bin vom kaufm. in den sozialen Bereich gewechselt. Es hat zum Glück eine Werteverschiebung statt gefunden und heute hat mein Job nicht mehr die alleinige oder erste Priorität in meinem Leben.
Meinen ersten Flug nach Mexiko habe 1999 durch geführt. Ich wollte zu meiner "großen Liebe", deren Aufenthaltsgenehmigung in Europa nach zwei Jahren nicht mehr verlänger wurde. Obwohl dies ganz klar DER Grund war, warum ich nach Mexiko wollte, vorher habe ich mich nie mit diesem Land beschäftigt, so habe ich damals schon Kontakt mit dem CAS in D.F. aufgenommen, das ich dann auch besuchte.
Auf meinem ersten Flug nach Mexiko habe ich dann einen Bericht über Strassenkinder in Mexiko gesehen, der bei mir einfach einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Die gesamte Familie meiner damaligen Partnerin hat sich auch (im bescheidenen zeitlichen Rahmen?!) für "Mittellose" engagiert, doch solch einen Einblick bekam ich halt noch nicht. Da war die Rede von über 20.000 Strassenkinder und ich habe mir versprochen, dass ich in diesem Bereich "irgendwann" aktiv werde und meinen "kleinen Beitrag" leiste.
Wie kann ich aber einen Beitrag leisten, wenn ich "nur" einen kleinen Verein gründen kann, der eventuell bald schon in einer Situation wie dein Verein gestanden hätte.
Christa hat geschrieben:Damit wir die Hilfe für die Kinder in Chiapas auch in Zukunft fortführen können, sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter ... dringend auf die Unterstützung durch Spender und Förderer angewiesen.
Deshalb wäre eine evtl. Unterstützung von hier aus wie ein Geschenk des Himmels.
Zum Glück habe ich mich in das Land und die Menschen Mexikos verliebt. Habe mich irgendwann nicht nur für den Alltag sondern auch für die Kulturen Mexikos interessiert... denn das hat mir sehr geholfen, Kraft und Zeit in den Aufbau von verschiedenen Mexiko-Seiten zu stecken. Soviel Kraft und Zeit, dass mein unmittelbares Umfeld sich dann auch zeitweise Sorgen um meine Gesundheit gemacht haben. Seien es Freunde aus Mexiko, die feststellten, dass ich nächtelang durchgearbeitet habe, sei es eine ehemalige Partnerin, die ich dann zwischendurch mal hatte, die sich darüber beklagte, dass ich nur noch Mexiko und Computer im Kopf hätte bis hin zu meinen zwei besten Freunden Maike(maikita) und Patrick (Paddy), mit denen ich sei zwei einhalb Jahren in einem Haus wohne. Die bekamen nämlich mit, dass ich zeitweise auf dem Zahnfleisch ging.
Diesen Aufwand habe ich unter anderem betrieben, weil in meinem Kopf der Gedanke, der Wunsch, das Ziel verankert war, Strassenkinder in Mexiko zu unterstützen. Und dafür wollte ich ein großes Publikum ansprechen.
Heute sind auf meinen Mexiko-Seiten ca. 60.000 "echte" Besucher. Davon ziehen wir mal viele ab, die sich durch die Community wiederholt einloggen. Doch die Community macht ja nur den kleineren Teil meiner Besucherzahlen aus. Auf den anderen Seiten sind ca. 45.000 Besucher pro Monat und von denen sind ca. 75 Prozent erstmals auf meinen Seiten. Also spreche ich Monat für Monat über 30.000 Menschen an, die sich für Mexiko interessieren. Davon ziehen wir mal einfach die Hälfte ab und dann liege ich immer noch bei ca. 15.000 Menschen, die ich ansprechen kann, damit sie Hilfsprojekte in Mexiko unterstützen.
Also ist es Zeit, das zu verwerten, was ich aufgebaut habe. Nicht für mich, denn seit 1999 waren meine Seiten in der Regel werbefrei, weil ich das ganze nicht kommerziell ausschlachten wollte. Doch es besteht nun die Chance, meine Seiten, den hohen Bekanntheitsgrad für die Menschen zu verwerten, die auf diese Hilfe angewiesen sind.
Ich möchte das Rad nicht neu erfinden und von daher habe ich schon vor Jahren auf der bisher "inaktiven" Page
http://www.hilfswerk.org schon geschrieben:
Wir unterstützen ausgewählte Hilfsprojekte, vorrangig in Mexiko, die....
unmittelbar und effizient Hilfe leisten.
über gefestigte Strukturen verfügen.
sich transparant und absolut vertrauenswürdig erweisen.
von einem unabhängigen Gremium vor Ort betreut werden oder sich regelmäßig einer Prüfung durch unser Team unterziehen.
über den Geldfluss entsprechend Rechenschaft ablegen.
Das Hilfsprojekt sollte weitere Kriterien erfüllen wie:
Anerkennung der Spende durch das Finanzamt
Ja, es gibt bestimmt viele gute Hilfsprojekte, in Mexiko, dort vor Ort. Projekte, die eventuell noch nicht oder nur unzureichend von Vereinen aus dem Ausland untersützt werden. Aus diesem Grund wird Maike in den kommenden sechs Monaten vor Ort schauen, was schon besteht, unterstützenswert ist und dies zur Diskussion stellen.
Maike ist übrigens auch schon lange als maikita in der Community, hat sich aber nie so aktiv beteiligt, weil sie durch "das großzügige Smalltalk" etwas genervt war und sich erst mühsam durch die Beiträge durchlesen musste, bevor sie all die gewünschten Informationen fand. Sie wohnt genauso wie Patrick mit mir zusammen. Er hat Aufbau und Entwicklung der Community seit der ersten Stunde mitbekommen und im Background mit seiner konstruktiven Art zur Verfügung gestanden. Er ist nun als Paddy angemeldet.
Die beiden, Maike und Patrick, sind halt auch immer wieder mit Mexiko konfrontiert worden und die Zeit hier mit "unseren" Mexikanern wollen wir alle nicht missen. Da Maike nun ab dem 01.04. bei APAC in D.F. arbeitet und Patrick definitiv nicht als Entwicklungshelfer nach Afrika gehen wird, ist die Idee entstanden und die Entscheidung gefallen, dem Ziel "Hilfsprojekte zu unterstützen" einen klaren rechtlichen und finanziellen Rahmen zu geben. Dies in der Form, dass ein Verein gegründet wird.
Dieser Verein soll nun nicht mit 150 Prozent starten und dann irgendwann mit Motorschaden liegen bleiben. Hier wird nur ein weiterer Schritt getan, der in die richtige Richtung führt. Und so soll es auch betrachtet werden. Ohne diese Unterstützung, würden irgendwann auch meine Mexiko-Seiten zusammen brechen, da ich das alles alleine nicht mehr bewältigen könnte oder ich müsste mich halt von der Idee verabschieden, Hilfe zu leisten.
Maike wird die Idee vor Ort in Mexiko vertreten und ihres dafür tun. Die Arbeit hier aus dem Büro heraus wird nun mit der Unterstützung von Patrick laufen. Ansonsten sind natürlich noch weitere Gespräche mit anderen Personen wichtig, mir fällt da spontan natürlich Eric ein.
Ich von meiner Seite her bzw. wir als Verein werden uns genau anschauen, welche Projekte unterstützen. Die vorläufigen Kriterien, irgendwann von mir geschrieben, werden angepasst und verbessert. Und... wir stehen nicht unter Zeitdruck. Gut Ding will Weile haben und mit dem neuen Rahmen und den personellen Ressourcen für den Bereich "Hilfsprojekte" ist auch gewährleistet, dass in Zukunft dieser Verantwortung Rechnung getragen werden kann. Der Bereich "Strassenkinder" wird nicht aus den Augen gelassen, doch werden dort nicht automatisch die Schwerpunkte gelegt. Das war Grundmotivation und die Zielrichtung ist jetzt offener. Die Satzung, sowie allen anderen relevanten Informationen, sind nach Fertigstellung auch über
http://www.hilfswerk.org veröffentlicht. Transparenz wird groß geschrieben.
Auf die Anschreiben von jungen Leuten aus Deutschland, der Schweiz oder Österreich, die in Mexiko ehrenamtlich helfen wollen, kann nun anders reagiert werden. Etwaige Spenden können steurlich abgesetzt werden und und und ....
Noch kurz zu mir, damit du siehst, dass ich nicht so schnell zu frustrieren oder zu schocken bin.
Neben einer recht hohen Lebenserfahrung trotz junger Jahre hier mal zur Zeit nach 1999.
Seit einigen Jahren arbeite ich nun in der Psychiatrie. Erst in einer forensischen Psychiatrie (Vom kleinen Brandstifter über Dutroux zu Hannibal Lector), dann in der zentralen Akut-Psychiatrie in Luxemburg und danach im Strafvollzug in Luxemburg (dort gibt es keine forensischen Psychiatrien). Im Strafvollzug bin ich mit verantwortlich für die Methadonbehandlung und betreue dort die Drogenabhängigen und arbeite mit Streetworkern, Bewährungshelfern und Drogenberatungsstellen zusammen. Auch das ist bestimmt kein einfaches Feld (man sagt, die Polytoxicomanen sind die schwierigste oder zumindest unangenehmste Clientengrupper in der Psychiatrie) und die Erfolgsquote ist auch sehr gering. Da muss ich schon sehr professionell arbeiten und es ist auch nicht leicht, ein entlastendes Gespräch mit einem Clienten zu führen, der einige Stunden zuvor seine Ehefrau erwürgt hat.
Heute arbeite ich übrigens nur noch halb in der Psychiatrie und halbtags (wieder) im kaufm. Bereich bei uns in der Zentrale der Klinik.